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Zerstörung

 

Vom 18.08.2008

Beschwichtigung ist der falsche Weg

Betr.: Geplante Verschiebung des Reiterdenkmals in Windhoek

Ich beziehe mich auf die Rede von Eckhart Mueller, dem Vorsitzenden des Deutschen Kulturrats in Namibia, die er am 26. Juli 2008 während der Hundertjahrfeier am Marinedenkmal gehalten hat. Dazu einige Bemerkungen:

Herr Mueller: „Schauen wir uns um, stellen wir fest, dass die Gebäude aus der Anfangszeit unseres Landes gut erhalten und gepflegt sind. Es ,verschwanden´ keine Gebäude nach der Unabhängigkeit.” Dieser Satz bedarf der Korrektur. Es verschwanden allein in der Robert Mugabe Avenue innerhalb kurzer Zeit mehrere historische Gebäude, die z.B. der Zentralbank, dem Nationalarchiv und der Communications Commission weichen mussten, um nur einige aus dieser historischen Straße (alte Leutweinstraße) allein zu nennen. In Swakopmund wurde ebenfalls großzügig abgeräumt, derzeitig hängt ein Riesenbanner am alten Johanniterhaus (1906), das einer „Entwicklung“ weichen soll.

Herr Mueller sagte weiter: „Leider können wir dieses nicht für die Zeit vor der Unabhängigkeit unseres Landes behaupten. Ich entsinne mich noch sehr gut, als das Alte Fort in Omaruru, damals unsere Polizeistation, verschwinden musste – auf dem Gelände wurde kein neues Gebäude gebaut, es lag für viele Jahre brach. Damals waren wir alle sehr traurig, aber nach unserer Meinung wurden wir nicht gefragt. So könnte man vieles mehr aufzählen, das einfach verschwinden musste.” Obwohl es stimmt, dass vor der Unabhängigkeit ebenfalls viel „verschwinden musste“ (man denke z.B. an die Alte Post und das ehemalige Gouverneurshaus in Windhoek, die Alte Feste in Keetmanshoop und in Omaruru, Kaiserhof Karibib), wurden zwischen 1948 und 1990 nicht weniger als 118 Kulturgüter unter Denkmalschutz gestellt. Nach der Unabhängigkeit, d.h. in den letzten 18 Jahren, war es genau ein Objekt, nämlich der Heldenacker bei Windhoek. Vor allem wurde es unterlassen, weitere Denkmäler zu identifizieren, d.h. im Bereich der Denkmalpflege und des Denkmalschutzes richtig aktiv zu werden.

Herr Mueller fragte sich auch, „wer von den vielen Kommentatoren zu der eventuellen Verschiebung des Reiterdenkmals sich vorher mit den verantwortlichen Instanzen auseinander gesetzt hat?“ Das Kabinett hatte die Verschiebung 2001 unter Ausschluss der Öffentlichkeit einseitig beschlossen, der Denkmalsrat hat diesen Entschluss leichtfertig durchgewinkt. Die verantwortlichen Instanzen hätten die Angelegenheit von sich aus untersuchen müssen und nicht die durch die beabsichtigte Verschiebung des Reiterdenkmals Betroffenen vor vollendete Tatsachen stellen sollen.

„Seit vielen Jahren ist der Deutsche Kulturrat mit Beamten der Museumsabteilung im Gespräch. Jetzt war dieses auch wieder der Fall. Deshalb möchte ich Ihnen mitteilen, dass es noch nicht entschieden ist, ob der Reiter überhaupt verschoben wird.” (Mueller) Für das Reiterdenkmal ist jedoch nicht die Museumsabteilung, sondern der Denkmalrat verantwortlich. „Sollte dieses (d.h. die Verschiebung des Denkmals) letztendlich doch beschlossen werden, dann wird der Kulturrat an der Verschiebung beteiligt sein. Der Reiter soll dann – unbeschädigt und stolz – an der neuen Stelle im alten Glanz und in Ehren weiterhin seinen wachsamen Blick über unser Land und alle seine Einwohner schweifen lassen.” Es ist bedenklich, dass sich der Vorsitzende des Deutschen Kulturrats derartig leichtfertig zur möglichen Verschiebung des Reiterdenkmals ausspricht! Er wird während der Verschiebung ohne Zweifel beschädigt werden, die Verschiebung an sich stellt bereits eine bedeutende Beschädigung des Denkmals dar. Ist es erwiesen, dass die neue Stelle wirklich geeignet ist? Und wie soll sich der Kulturrat praktisch an der Verschiebung beteiligen – vielleicht den Koreanern die Brechstange reichen?

Weiterhin dankt Herr Mueller „unserer Stadt und unserem Land, allen verantwortlichen Instanzen und unserer Regierung dafür, dass unsere historischen Gebäude nicht nur erhalten bleiben, sondern auch gepflegt werden.“ Herr Mueller scheint zu übersehen, dass historische Denkmäler eben nicht mehr gepflegt werden. Die Alte Feste ist dringend renovierungsbedürftig, das Zehnmannhaus und die alte Kaiserliche Realschule (Hauptbüro des Nationalmuseums) vergammeln, die Alte Schule in Klein Windhoek steht ungenutzt – wenn alles so gepflegt wird, woher kommt das Chaos im Bergmannhaus? Man spreche mit Einwohnern Karibibs, die sich über den Verfall der Evangelischen Kirche, dem Wahrzeichen des Ortes, Sorge machen, in Lüderitzbucht liegt vieles im Argen, die Restaurierung des Offiziershauses in Warmbad – mit deutschen Mitteln – scheint auch ein Flop gewesen zu sein.

Die Rede des Herrn Mueller scheint von Beschwichtigung (Appeasement) geprägt zu sein. Doch stellt sich die Frage, ob Beschwichtigung angemessen ist, wenn wichtiges namibisches Kulturgut wie das Reiterdenkmal akut gefährdet scheinen.

Dr. Andreas Vogt, Windhoek
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