Der schwarze US-Journalist Keith B. Richburg veröffentlichte 1997, nachdem er jahrelang als Korrespondent der „Washington Post“ den Kontinent Afrika bereist hatte, ein Buch mit dem Titel „Out of America - A Black Man Confronts Africa“ (deutsche Ausgabe: „Jenseits von Amerika – Eine Konfrontation mit Afrika, dem Land meiner Vorfahren“).
Darin nahm er auch zu Wahlen in afrikanischen Staaten Stellung. Was er da schrieb, ist ein Lehrbeispiel für die Vorgänge, die wir zurzeit in Namibia erleben: „Bevor Wahlen abgehalten werden, müssen erst einmal die Verfassungen neu geschrieben werden, um die Machtbefugnis imperialer Präsidentschaften zu beschränken und das Spielfeld für die Oppositionsparteien abzustecken. Die Regierungskontrolle über die Medien muss gebrochen werden, und das gilt ganz besonders für die Rundfunksender, auf die sich die meisten Afrikaner wegen der Nachrichten verlassen. Sicherheitskräfte und Polizei, die zurzeit meist Werkzeuge der Unterdrückung sind, müssen einem neutralen Kommando und einer neutralen Kontrolle unterstellt werden. Gesetze für unparteiische und gerechte Wahlen müssen erlassen werden. Wähler müssen ordnungsgemäß registriert werden... Gesetze, die derzeit noch aus der ,Präsidentenbeleidigung´ ein Verbrechen machen, müssen außer Kraft gesetzt werden. Parlamente und richterliche Gewalt müssen verstärkt werden. Wähler müssen eine Erziehung erhalten, vor allem in den ländlichen Gebieten, um die, die nicht lesen und schreiben können, darüber aufzuklären, warum es für ihre Zukunft wichtig ist zu wählen. Und den Wahlverlierern muss eine verfassungsmäßige Rolle zuerkannt werden, eine Teilhabe am System, damit Wahlen nicht länger zu einer Art ,Alles-für-den-Gewinner´-Wettkampf ausarten, der gegenwärtig all diese Kriege zwischen den Splittergruppen auslöst. Bevor nicht alle diese Dinge getan sind, ist es zwecklos, über Wahlen in afrikanischen Ländern zu sprechen. Ohne diese grundlegenden Schritte wird jede Wahl zu einer Scheinwahl, zu einer demokratischen Farce. Das übrige Afrika könnte hier von Südafrika lernen, das zunächst in einer langwierigen Prozedur die Grundlagen für den Übergang zu demokratischen Verhältnissen geschaffen hat; die Wahl selbst war dann nur der letzte Schritt.“
Auch wenn dies vor über einem Jahrzehnt geschrieben wurde, so sind die Aussagen doch, wie uns Namibia lehrt, durchaus noch aktuell, denn es hat sich seit damals nicht viel geändert.