Die heutige Titelseite

 

Newsletter


Regen in Namibia

 

Vom 18.02.2010

Zauberhaft intoniert und dynamisch balanciert

© privat
Christoph Genz, Cornelia Herrmann und Reiner Schneider-Waterberg (v.l.n.r.) begeisterten mit ihrem Konzert das Swakopmunder Publikum.
Romantik ist mehr als sentimentales Gesäusel. Es ist „himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt”, eitel Sonnenschein und finsteres Donnergrollen. All das war am vergangenen Wochenende in Swakopmund in den beiden Konzerten zum Gedenken an Frederique Chopin und Robert Schumann zu erleben.

Die Pianistin Cornelia Herrmann eröffnete ihren Chopin-Abend mit zwei Balladen und dem berühmten Scherzo-F-Moll und bewies, dass sie höchsten Ansprüchen gewachsen ist. Mit souveräner Virtuosität, einem bezaubernden Belcanto, durchsichtig abgestimmter Klangdynamik und bestechend brillant angeschlagenen Akkorden darf sie es wagen, Chopin ganz persönlich zu interpretieren.

Nach der Pause ausgesuchte Chopin-Perlen, darunter „Grande valse brilliante Es Dur“. Dann das Regentropfen-Prelude, immer wieder gern gehört, mit den Menetekeltropfen auf eine wehmütige Melodie – und die großen Glockenakkorde, die die Pianistin wie Domgeläut aus dem kleinen Flügel zauberte. Cornelia Herrmann erntete viel Beifall und man war gespannt, ob sie sich auch als Liedbegleiterin bewähren würde.

Der Liederabend begann zunächst mit Christoph Genz mit zwölf Liedern von Robert Schumann nach Gedichten von Eichendorff. Eichendorff hat ein Heer von Gedichten geschrieben, die von Schumann zum Lied erkoren wurden, feinfühlig und subtil, musikalisch ausgedeutet zu Klangbildern von großer Farbigkeit, denen sich Genz mit der ganzen Intensität seiner lyrischen Ausdruckskraft widmete. So entstand bei minimaler Gestik, ganz von innen heraus und eingerahmt, ein klingendes Kaleidoskop.

Es folgten vier Schumann-Balladen mit Reiner Schneider-Waterberg. Zur Einführung bedankte sich der Bariton bei seinem Vater Heiner, der seinen Kindern auf der Farm statt Märchen Balladen erzählte, was Schneider-Waterberg bewog, sich schon sehr früh auch musikalisch damit zu beschäftigen. Der Meister lotet Gefühle und Stimmungen höchst unterschiedlicher Charaktere und Situationen aus. Obgleich man manches Gedicht selbst kennt, bleibt ihm der Zuhörer am Munde hängen, weil er zu dramatisieren und in Sprache zu malen versteht und damit bewusst macht, was zwischen den Zeilen zu lesen ist. Ganz ergreifend schildert Schneider-Waterberg in Heines Ballade „Die zwei Grenadiere” das Heroische im einfachen Soldaten, der für sein Vaterland zu sterben bereit ist.

Liedbegleitung ist eine Kunst, die perfekte Technik, großes Einfühlungsvermögen und Anpassungsfähigkeit verlangt. Cornelia Herrmann hat sich als Begleiterin hervorragend bewährt.

Es waren vor allem die Duette, die den Abend krönten. Zauberhaft intoniert und dynamisch balanciert, präzise artikuliert und gleichgefühlt in Akzent und Abschluss und ohne jegliche Effekthascherei, höchst professionell und doch so natürlich menschlich gestaltet, wie diese Künstler auch leben. Das Swakopmunder Publikum war begeistert.

Werner Kühlwetter

Archiv


Wetter

EES GANZ PRIVAT