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01.10.2014, Windhoek

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Wie funkelnde Diamanten

Künstler Luzius Ziermann hat 2500 Außenspiegel in der Wüste zu einem großen Kunstwerk angeordnet

Zehn Uhr, mitten in der Wüste Namibias. Es sind etwa 35 Grad, die sich aber mindestens wie 45 anfühlen. Der Dünensand ist fest genug, dass man nicht bei einem Schritt nach oben zwei nach unten rutscht. Trotzdem ist jede Bewegung zu viel. Luzius Ziermann scheint das nicht zu stören. Mit Wasserflasche in der Hand und grünen Hut auf dem Kopf klettert er die Düne hinauf. 25 Minuten dauert es, die Sonne brennt. Doch von oben hat er einen tollen Blick auf sein Werk. 2500 Außenspiegel hat er auf dem Gelände der Wolwedans-Collection nahe der Namib-Wüste in den Sand gelegt und sie zu seinem Zeichen angeordnet. Einem Zeichen, das vor 25 Jahren irgendwie aus seiner Unterschrift entstanden ist und ihn seitdem begleitet. Das Symbol besteht aus zwei sich kreuzenden Strichen, sie stehen für den Längen- und den Breitengrad, darunter ein locker gezeichneter Halbkreis, der die Erdumdrehung symbolisiert und zwei Punkte, die für die hellsten Sterne stehen - Sonne und Mond. "Der Name Luzius bedeutet der zum Licht Hingeborene", erklärt der Künstler aus Frankfurt. Und Licht bedeutet für ihn eine ganze Menge. "Durch das Licht ist alles entstanden." Die Natur, die Landschaften, alles, was der 50-Jährige so faszinierend findet. Das Licht definiert sie, macht Farben und Formen sichtbar, hat jede Veränderung in den Millionen von Jahren mitbekommen, macht Leben auf der Erde erst möglich. Mit der Installation in der Wüste "gebe ich dem Licht die Möglichkeit, sein eigenes Werk zu signieren", erklärt Ziermann.
Mercedes Benz stiftete für das Projekt einige Außenspiegel, Mazda ebenfalls. Die restlichen kaufte Ziermann bei Schrottplätzen. Dank Abwrackprämie war die Auswahl in Deutschland besonders groß. Im Container wurden die Spiegel in 25 Tagen nach Walvis Bay geschifft. Von dort brachte sie ein Lastwagen zum Ziel. Die Autospiegel liegen auf einer Fläche von 50 mal 50 Metern im Sand. Mehrere Tage hat es gedauert, sie anzuordnen. Ein Computerprogramm hat geholfen: Es hat das "Luzius"-Zeichen gerastert, und angezeigt, in welchem Feld wie viele Spiegel liegen. Mit seiner Assistentin Katharina Molner verbrauchte er fünf Kilometer Schnur, um das Raster in den Sand zu übertragen. Jetzt - aus der Ferne betrachtet - wirken sie wie funkelnde Diamanten.
Seit 1992 arbeitet Luzius Ziermann hauptberuflich als Künstler. Nach der Schule ging er auf eine New Yorker Schauspielschule - "bis das Geld ausging". Dann kam der Job in einer Werbeagentur und danach die Kunst. Seit er 18 Jahre alt ist, zeichnet er. Und hat sich alles selbst beigebracht.
Ein Riesenkunstwerk bei Wolwedans, mehrere kleine im Goethe-Zentrum: "Weisung von oben - Signierte Landschaften" heißt die Schau, die bis 27. November in Windhoek läuft. Seine Bilder entstehen, indem Ziermann zuerst die Leinwand wässert. Wenn sie trocknet, gibt es Falten. Durch die einzelnen Farbschichten entsteht später die Räumlichkeit. Für ein Bild braucht er vier bis sechs Wochen. Man muss aber nicht zwangsläufig Landschaften in den Bildern sehen: "Es könnte auch ein Stück Haut sein unter dem Mikroskop betrachtet, ein Blutgefäß, ein Haar, ein Fingerabdruck, der Fußabdruck eines Elefanten oder die Spur einer Ameise, bewegtes Wasser, ein Blatt oder oder...", sagt Ziermann. "Überall erkennt man die Handschrift des Schöpfers. Alles ist miteinander verknüpft." Er will darauf hinweisen, wie fantastisch unsere Landschaften und unsere Natur sind. "Wir sollten uns viel mehr darüber freuen."
Vor zwei Jahren entschied er, keine "normale" Ausstellung zu machen, sondern seine Bilder von der Natur in der Wüste zu zeigen. Für Namibia entschied er sich vor allem wegen des Lichts und der politischen "Machbarkeit". "Zuerst wollte ich 100 Bilder in den Sand legen und zu meinem Symbol anordnen." Dann kam ihm die Idee mit dem Licht und den Spiegeln. Er reiste zweimal nach Namibia und machte sich auf die Suche nach dem geeigneten Ort. Adelheid Lilienthal, Leiterin der Deutsch-Namibischen Gesellschaft, brachte ihn auf Wolwedans.
Das liegt mitten im Namib Rand Nature Reserve. Das private Naturreservat ist 172.200 Hektar groß. Ziel dieses Reservats ist es, die einzigartige Umwelt und Tier- und Pflanzenvielfalt in diesem Gebiet zu erhalten. Als Mitglied des Projektes "The long run" hat sich Wolwedans ebenfalls der Nachhaltigkeit verschrieben. Durch private Spenden und Einnahmen durch den Tourismus unterstützt Wolwedans das Namib Rand Reservat und die Wolwedans Stiftung, deren Hauptziele Ausbildung, Konservierung und soziale Entwicklung sind. Aber auch Kultur soll gefördert werden. "Da passt Luzius' Projekt wirklich perfekt rein", sagt Wolwedans-Chef Stephan Brückner. Übrigens will Luzius Ziermann nicht zum ersten Mal seine Kunst außerhalb Deutschlands ausstellen. 2005 wollte er eine acht Meter hohe Bronzestatue mit dem Namen "Spermatit" in der Antarktis aufstellen. Die Statue, die einer "menschlichen Spermazelle" nachempfunden ist, sollte mit Haaren gefüllt in die Arktis transportiert werden. Die Haare sollten dazu dienen, "künftigen Generationen Aufschluss über das menschliche Leben zu geben", so Ziermann. Denn die Skulptur sollte von der Bewegung der Eismassen im Lauf von geschätzten 100000 Jahren ins Meer befördert werden. Doch die deutschen Behörden ließen ihn nicht. Das Umweltbundesamt in Dessau verweigerte Ziermann die Genehmigung, die Statue im Eis zurückzulassen - mit der Begründung, eine Verschmutzung der Landschaft zu vermeiden. Daraufhin verklagte er die deutschen Behörden. Recht hat er noch nicht bekommen, aber ein paar Instanzen liegen noch vor ihm. Notfalls will er über ein anderes Land klagen, das auch Mitglied des Antarktisvertrages ist. "Andere Länder sehen das viel lockerer."
Namibia ist die erste von zwölf Stationen für die Spiegel. "Danach muss es nicht wieder die Wüste sein", sagt Ziermann. Er hat bereits Anfragen von Schweden und Abu Dhabi, Irland könnte er sich auch vorstellen. Alle drei Monate könnte der Ausstellungsort wechseln. Bis Januar soll das Kunstwerk bei Wolwedans zu sehen sein.
Weitere Infos unter www.luzius-ziermann.de

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20-Nov-2009-08:37

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