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Zerstörung

 

Vom 11.07.2008

Mit Odysseus gegen AIDS

Jugendorganisation mit packender Tanzshow im Nationaltheater

Noch stecken die jungen Männer und Frauen in den verführerisch glitzernden Kostümen mitten im heißen Probenendspurt. Doch schon jetzt wird klar: Diese Show ist etwas ganz besonderes! „The Namibian Odysseus“ heißt das Tanztheaterstück, an dem die Jugendlichen derzeit mit soviel Eifer arbeiten. Initiiert wurde es von der „Ombetja Yehinga Organisation“ (OYO), die sich zum Ziel gesetzt hat, die rasante Verbreitung von HIV/AIDS in Namibia mit künstlerischen Projekten zu bekämpfen. Wie eindrucksvoll das gelingen kann, ist ab nächster Woche im Nationaltheater zu sehen.

© Gesa Wicke
Mit ihrer fulminanten Tanzshow wollen die jungen Schauspieler für die Problematik der steigenden AIDS und HIV-Rate in Namibia sensibilisieren.
Eiskalt ist es in den hohen Räumen. Deshalb finden die täglichen Proben gewöhnlich ohne Kostüme – die allesamt von lokalen Designern gestiftet wurden - statt. Doch heute hat Philippe Talavera, Gründer der Hilfsorganisation OYO und Initiator des Theaterprojektes, seine Crew in voller Montur auf die Bühne gebeten. Schließlich ist es nur noch knapp eine Woche bis zur Premiere des namibischen Odysseus – „und ich will sehen, wie alles sitzt.“ Das tut es sichtlich gut: Ein Traum aus Türkis und Tüll, Mädchen in hautengen Glitterkleidchen, die Jungs mit engen Westen in schillernden Farben, so starten die jungen Schauspieler in die erste Szene.

Verführerisch verrenken sich die durchtrainierten Körper ineinander, mit schnellen Schrittkombinationen vollzieht sich auf der Bühne ein spielerisches Miteinander der Geschlechter. „Liebe, Sex, Verlangen, Treue – das sind die zentralen Themen“, erklärt Talavera. Als der Sechsunddreißigjährige vor einiger Zeit „wieder einmal“ den griechischen Odysseus-Mythos las, sei ihm bewusst geworden, „wie sehr dieser Klassiker der Situation im heutigen Namibia gleicht.“ Wie der antike Held seien tausende Namibier ständig auf der Reise, Männer oft arbeitsbedingt monatelang getrennt von Frauen und Kindern. „Und was, wenn Odysseus tatsächlich hier und heute gelebt hätte? Dann wäre er mit AIDS zurückgekehrt und hätte auf seinen erotischen Abenteuern unzählige Mitmenschen infiziert“, so Talavera. Deshalb möchte er mit seiner Adaption der antiken Legende vor allem eine Botschaft vermitteln: „Seid treu, und benutzt Kondome - auch in festen Partnerschaften!“

Für die jugendlichen Schauspieler bietet das Stück die Möglichkeit, sich spielerisch mit solch komplexen Fragen wie Kinderwunsch und Zukunftsplanung auseinanderzusetzen. Die Achtzehn- bis Vierundzwanzigjährigen stehen alle kurz nach dem Schulabschluss, das Projekt soll ihnen Selbstbewusstsein geben, Talente fördern und so den Berufseinstieg erleichtern. „Wir nutzen unsere Körper als Botschaft. Dadurch, dass es keinen Text gibt, bleibt den Zuschauern genug Raum, sich eigene Gedanken zu machen“, sagt Valerie Tjirimuje, die die buhlerische Circe verkörpert. zwanzigjähriger Kollege Eric Boamah (Amphinomeus) ist überzeugt: „So eine Message kann am glaubwürdigsten von Gleichaltrigen weitergeben werden. Schließlich sind es genau unsere Jahrgänge, die von HIV und AIDS am stärksten betroffen sind. Da dürfen wir nicht einfach tatenlos zusehen!“

Zu sehen ist „The Namibian Odysseus“ am 17. und 18. Juli 2008 um 20 Uhr im Nationaltheater, Schülervorstellungen gibt es am 16., 17. und 18.Juli jeweils um 11 Uhr.
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