
Auch optisch ein Genuss: Der Cantare Audire Chor präsentierte sich in der Christurkirche passend zum mediterranen Motto des Abends mit Accessoires in fröhlichen Sommerfarben.
Die hellen Holzbänke der Christuskirche waren am Samstagabend bis auf den letzten Platz besetzt. Zahlreich und erwartungsvoll waren die Windhoeker gekommen – und sie sollten nicht enttäuscht werden. Busch, der Meister seines Fachs, beginnt mit den ruhigen Klängen eines „Capricchio Arabe“ von Francisco Tarrega. Mit faszinierender Präzision entzaubert er seinem Instrument Klänge, die Assoziationen an heiße Sommernächte, an Olivenhaine und glitzernd-blaues Mittelmeer evozieren; und die den kalten Wind, der um den Glockenturm des Gotteshauses heult, zumindest für eine Weile vergessen lassen. Konzentriert lauscht das Publikum den zarten Melodien, viele der Anwesenden haben die Augen geschlossen, und als der letzte Ton des ersten Stückes verklungen ist, dauert es eine Weile, bis sich die andächtige Stille in tosenden Applaus verwandelt. Weitere Gitarrensolostücke unterschiedlicher spanischer Komponisten folgen in der ersten halben Stunde des Konzertabends. Hervorzuheben vor allem die „Asturias“-Legende von Isaac Albeniz. Busch trägt die tragische Geschichte des spanischen Schäfers in gewohnt souveräner und farbiger Manier vor. Beeindruckend auch seine Tremolo-Technik in Francisco Tarregas „Recuerdos de la Alhambra“, die seine Gitarre akustisch in eine Mandoline zu verwandeln scheint und von seinem ausgeprägten technischen Können zeugt.
Nach der Pause dann der gemeinsame Auftritt mit dem Cantare Audire Chor unter der Leitung von Ernst van Biljon. Harmonisch und gut abgestimmt ist das Zusammenspiel beim „Romancero Gitano“, das der italienische Komponist Mario Castelnuovo-Tedesco zu den Versen von Spaniens Dichtertalent Federico Garcia Lorca verfasst hat. Doch nicht nur akustisch ist der Auftritt ein Genuss, die ganz in schwarz gekleideten Chormitglieder sind passend zum Thema des Abends mit bunten Seidenschals und Fliegen in feurigen Farben geschmückt, und überzeugen so auch optisch. Insbesondere die Solistinnen (Monika Schultz Sopran und Liezel Jansen Mezzosopran) sorgen mit Klarheit und Ausdrucksstärke dafür, dass auch der zweite Teil des Abends zu einem rundum gelungenes Hörerlebnis wird. Schwungvolles Finale bereits nach einer Stunde ist das rhythmisch-bewegte „Crótalo“ – so dass als Fazit des mediterranen Abendständchens bleibt: Kurz, aber gut!