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Landschaften aus Leder

Künstlerin Glenda Meinert gestaltet Bilder von Tieren und Landschaften aus Leder und Fellen

Es fing damit an, dass Glenda ihre Familie in Deutschland besuchen wollte und auf der Suche nach Geschenken war. Die junge Frau entschloss sich, etwas Selbstgemachtes mitzubringen. Allerdings entschied sie sich für ein sehr aufwendiges Mitbringsel: Sie kaufte Lederreste und einen Bilderrahmen. Aus dem Leder gestaltete ein Bild - eine Dünenlandschaft.

Das Foto einer Arbeit aus dieser ersten Zeit hat sie noch. Die Bild-Landschaft sieht auf den ersten Blick aus wie eine wirkliche Landschaft: Die Dünen türmen sich perspektivisch stimmig hintereinander auf, täuschend echt fällt Schatten auf eine Seite der pyramidenartigen Gebilde und der rötliche Ton entspricht der Farbe des Sandes. Das Bild datiert von 1997.

Glenda Meinert zeigt es, als sie im Café im Innenhof des Namibia Craft Centre sitzt und in ihrem Katalog blättert. Hier, im Herzen Windhoeks, hat sie seit zwei Jahren einen eigenen Stand. Das ist eine Auszeichnung. Denn die Liste der Bewerber um einen Platz hier ist lang. Einen Stand bekommt nur, wer etwas "Neues" macht: Handgemachte Produkte, die noch kein anderer Stand auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei anbietet. Die Produkte müssen also im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig sein.

Die Inhaberin einer Galerie sah eines von Glendas Bildern und ermutigte sie. Sie empfahl ihr, die Bilder richtig zu rahmen - nicht nur mit einer Glasscheibe, sondern auch mit einem Papprahmen, einem Passepartout. Aus den Lederlandschaften wurden richtige Bilder - aus dem Hobby wurde nach und nach der Beruf.
Seit den Anfängen 1996 hat sich viel getan. Die Bilder, die Glenda heute an ihrem Stand anbietet, sind farbenfrohe Kunstwerke mit den unterschiedlichsten Motiven. Neben Dünenlandschaften sind allerlei Tiere auf den Bildern zu sehen: Zebras, Elefanten, Springböcke, Kudus, Schreiseeadler und Oryx-Antilopen. Auch die namibische Flora erscheint auf den Bildern, so der Köcherbaum, die Welwitschie und die Aloe.

Mindestens ebenso vielfältig wie die Motive sind die Materialen von Glendas Bildern. Sie verwendet das Leder von Strauß, Schaf, Ziege, Robbe, Kudu und Springbock sowie bedrucktes Schafsleder mit Leopardenmuster sowie Schlangen- und Krokodillederimitat. Auf ihren Bildern landet "alles, was exportiert werden darf", sagt sie. Dazu gehören einheimisches Gras, Straußeneischalen und Stachelschweinborsten. Nicht alle Bilder sind so fotorealistisch wie die Dünenlandschaft: Viele Tierbilder sind stark stilisiert - so finden sich Zebra mit roten, lila- oder orangefarbenen Streifen.

Glendas Repertoire ist über die Jahre gewachsen. Neben Bildern fertigt sie inzwischen auch Schürzen, Schachteln und Fotoalben an. "Die Tischmatten sind zur Zeit der Renner", berichtet sie. Die Matten aus Springbockleder sind bestickt mit Straußeneischalen, Perlen und Borsten.

Die Käufer ihrer Produkte sind meist Touristen, aber auch Namibier. Einige von ihnen kehren regelmäßig wieder, so ein Paar aus Deutschland, das jedes Jahr etwa acht Bilder kauft. Einer ihrer größten Bewunderer war ihr Bruder Niko Bessinger, Umweltminister im ersten Kabinett von Samuel Nujoma und eifriger Käufer ihrer Werke.
Zu ihren regelmäßigen Kunden gehören auch Lodges. Immer wieder geben Gasthäuser Bestellungen auf. So ließ eine Lodge im Etoscha-Nationalpark jedes Zimmer mit einem Löwenbild aus Leder bestücken - in über einem Dutzend Zimmer hängen nun Glendas Bilder. Auch die Regierung bestellt bei ihr gerne. So fertigte sie zum 20. und 22. Jahrestag der Unabhängigkeit ein großes Bild mit namibischen Nationalsymbolen an.

Ein weiterer Kunde ist George Simasiku Mamili, ein traditioneller Führer in der Region des Caprivi, der seit 1999 an der Spitze der Mafwe steht. Für ihn entwarf Glenda während ihrer Zeit beim Lederspezialisten Nakara ein traditionelles Gewand aus Leopardenfell. Mamili war zufrieden und kam In den Folgejahren mehrfach auf sie zurück.

Durch Aufträge hat Glenda mittlerweile auch Bilder gestaltet, auf die sie selbst nie gekommen wäre. So wollte ein Jäger den Moment, in dem er ein Tier "ansprach" und erlegte, in einem Lederbild dokumentiert haben. Selbst der Winkel des Hangs, auf dem das Tier stand, musste stimmen. Ein südafrikanisches Paar wiederum wünschte sich das Bild einer Welwitschie - auch diesen Wunsch erfüllte sie gerne.

Mit Auftragsarbeiten und Kundenwünschen kennt sie sich aus. Bevor sie sich mit ihrem Kunsthandwerk 2006 selbstständig machte, arbeitete sie bei der Lederfabrik Nakara. Dort wurde sie im Bereich Schnittmuster ausgebildet und entwarf Vorlagen, nach denen Kleider hergestellt wurden. Unter anderem entwarf sie Kleider, mit denen die Miss Namibias der 1990er Jahre ins Rennen um den Titel der Miss Universe gingen.

Als sie mit den Lederbildern anfing, förderte sie ihr damaliger Arbeitgeber. Noch heute ist sie ihm verbunden: Glenda bezieht das Leder für ihre Produkte ausschließlich von dieser Firma. Glenda selbst ist Namibierin. Ihr ist es wichtig, dass sie zu hundert Prozent mit namibischem Material arbeitet.

Hin und wieder kommen Besucher an Glenda Meinerts Stand, die sehr kritisch auf ihre Arbeiten blicken - des Materials wegen. Meinert selbst hat keine Skrupel, für ihr Kunsthandwerk Tierhäute zu verwenden. Im Gegenteil: "Zebras und andere Tiere müssen geschossen werden", sagt sie. "Wenn ich das Leder dieser Tiere verwende, dann wird das Material wenigstens genutzt - und nicht weggeworfen."

Allerdings gibt es Materialien, die auch Glenda nicht anbieten würde, zum Beispiel Elefantenleder. "Dann würde ich Probleme bekommen", bemerkt sie in Anspielung auf Artenschutz und Ausfuhrbestimmungen.

Mittlerweile arbeitet Glenda auch mit Schablonen. Trotzdem ist jedes Bild ein Unikat. Farbe und Beschaffenheit des Leders sind unterschiedlich. Zudem verändern sich die Bilder je nach Lichteinfall. Ihre Bilder kosten zwischen 580 und 3800 N$ - in Ausnahmefällen, für besonders aufwendige Arbeiten, kann der Preis aber auch deutlich darüber liegen.

Carola Gruber

Artikel senden: 
27-Jul-2012-08:59

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