Peter Kewowo freute sich sichtlich über die Chance, in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst in Berlin hospitieren zu dürfen.
Liegt es daran, dass die Menschen in Deutschland einfach zu beschäftigt und gestresst sind, um auf der Straße mal kurz anzuhalten und fremden Menschen „Hallo, wie geht’s dir?“ zuzurufen? Davon ist zumindest Peter Namholo Kewowo überzeugt. Der 28-Jährige, der als stellvertretender Vorsitzender bei „Visual Artists – Namibia“ (VAN) arbeitet, blickte seinem sechswöchigen Aufenthalt in Berlin äußerst optimistisch entgegen: „Mich interessiert die Vergangenheit Deutschlands nicht. Bisher habe ich nur nette Menschen aus Deutschland kennengelernt.“ Angst hatte er keine, ihn reizte die Herausforderung. Aufregung beschlich ihn und viele Fragen sammelten sich in seinem Kopf.
Bei einer vierwöchigen Fortbildung in Berlin lernen zur Zeit insgesamt 15 Kulturschaffende aus ganz Sub-Sahara-Afrika zusammen, wie Projektmanagement, Marketing, Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit funktionieren. Deshalb ist sich Peter Kewowo auch sicher, dass er nach sechs Wochen nicht nur Wissen über Kulturmanagement mit nach Hause bringt: „Da kommen Menschen aus halb Afrika, aus Ländern wie Burkina Faso, Nigeria, Tansania, Uganda und Malawi zusammen. Ich kann sehr viel über Menschen aus vielen verschiedenen Ländern erfahren, die alle eine ganz unterschiedliche Kultur mit sich bringen.“ Aber natürlich dachte auch Peter Kewowo an die vielversprechenden Aussichten, die ihm dieses Fortbildungsprogramm bietet. Denn nach der Fortbildung hospitiert er noch zwei Wochen bei der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst in Berlin. Das Goethe-Institut stärkt mit dem Projekt „Kultur und Entwicklung“ nicht nur den innerafrikanischen Austausch, sondern auch die deutsch-afrikanische kulturelle Kooperation. Damit soll Kultureinrichtungen in den Ländern der Entwicklungszusammenarbeit Fachkenntnisse vermittelt werden, um Netzwerke zu gründen, von denen Kulturmanager wie Peter Kewowo profitieren.
Immerhin träumt auch er von einem besseren Beruf. Trotzdem: Der junge Mann ist glücklich mit seinem Leben, so wie es ist. Von einem größeren Gehalt würde er seine Familie und Gemeinschaft unterstützen wollen. Seine Zweiraumwohung in Katutura aufzugeben, wo er zusammen mit seinem Onkel lebt, kommt für den aufstrebenden Künstler nicht in Frage: „Vielleicht würde ich mir ein besseres Leben aufbauen“, grübelte Peter, „aber dann in Katutura!“ Nach all den Jahren hat er sich an das Leben dort gewohnt und will das Township nicht mehr verlassen. „Katutura ist ein lebhafter Ort. Jeden Tag treffe ich neue Menschen. Dort will ich bleiben, auch wenn die Kriminalität eine Herausforderung im Leben ist!“
Für den 29- Jährigen freuten sich all seine Freunde, die im nur das Beste wünschen. So auch seine Mutter, die in Tsumeb wohnt. Gerne hätte er sich noch für die sechs Wochen bei ihr verabschiedet, doch die Zeit blieb ihm nicht, nachdem er schnell für jemanden einsprang und eilends mit seinem Chef klären musste, wie der so lange ohne ihm auskommt. Zwei Wochen vor seiner Abreise hat er dann seinen Deutschunterricht im Goethe-Zentrum begonnen. Zwar reichte es erst für „Hallo, ich bin Peter. Wie geht es dir? Mir geht es gut“. Aber man versteht ihn, auch wenn er selbst sagt: „Deutsch ist für mich so schwer auszusprechen, denn meine Muttersprache ist Oshiwambo. Aber es klappt immer besser!“ Das Leben in Berlin konnte er sich gar nicht vorstellen, außer, dass es sicherlich ziemlich teuer sei. Genau deswegen hat er sich vor seiner Abreise noch viele Fotos im Internet angeschaut. „Es gibt mir jetzt das Gefühl, schon einmal dagewesen zu sein. Da fühle ich mich gleich wie zuhause!“ sagt Peter und strahlt, wenn er an die Zeit in Berlin denkt.