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Regen in Namibia

 

Vom 16.01.2009

Herzlichen Glückwunsch, DHPS

Die DHPS wird hundert Jahre alt, ein ganzes Jahr voller Feierlichkeit steht bevor

© DHPS
Mit offenen Armen ins neue Schuljahr.
12 Kinder waren es am ersten Schultag 1909, über 1000 sind es heute. Die werden sich am Montagmorgen in der Kirche tummeln. „Das wird rappelvoll“, sagt Eventmanagerin Heike Uhrich. Die DHPS hat extra für das Jubiläumsjahr eine Stelle ausgeschrieben, Uhrich kümmert sich nun um die Vorbereitungen und behält den Überblick zwischen den Veranstaltungen.

Wenn der Gottesdienst vorbei ist, geht es zu Fuß zur Schule. Dort wird aus einem Hubschrauber eine Luftaufnahme der heutigen Schülerschaft gemacht. Neben Ansprachen wartet außerdem eine Geburtstagstorte auf die Teilnehmer – schöner kann ein erster Schultag wohl kaum sein. Außerdem werden die ersten Lose der Jubiläumsverlosung gezogen. Bis August werden an drei Terminen Geldpreise unterschiedlicher Höhe unter das Volk gebracht. Am 13. März wird die zweite Ziehung stattfinden, auf dem traditionellen Basar im August wird dann der Hauptpreis von 1,000,000.00 N$ verlost. Alle Lose nehmen an allen drei Ziehungen teil.
© DHPS
Die DHPS wird am Montag 100 Jahre alt.
Wer nicht vor Ort sein kann, kann sich die Feierlichkeiten des ersten Schultags auch im Radio anhören. Sie werden ab 11 Uhr vom deutschen Dienst der NBC live vom Schulgelände übertragen.
Doch damit nicht genug: Das ganze Jahr steht im Zeichen des Jubiläums. Der nächste Höhepunkt wird die Festwoche in der zweiten Märzwoche sein. Am 9. März wird die Ausstellung „DHPS Gestern – Heute – Morgen“ eröffnet, die vom Lehrer Andreas von Koenen erarbeitet wurde. Sie behandelt die Geschichte, aber auch die Gegenwart der Schule.

Zum Festakt am 11. März sind Gäste aus dem In- und Ausland geladen. An diesem Tag können sich die Schüler auf einen unterrichtsfreien Tag freuen. Am Abend wird die Varieté-Vorführung „Variety is the Spice of Life“ für Würze sorgen. Am 12. März steht dann der schulinterne Thementag „Deutsche Sprache“ auf dem Programm. Jeder Lehrer entscheidet selbst, welche Aspekte der deutschen Sprache er in seinem Fach behandeln kann.
© DHPS
Zum 25. Jubiläum feierte man bereits mit einem Umzug in der Independence Avenue.
„In Mathematik könnte man sich zum Beispiel überlegen, welche deutschen Wissenschaftler eine Rolle in dem Fach gespielt haben“, sagt Monika Pfänder, Schulleiterin der DHPS. Abends vergnügen sich die Schüler in der Schülerdisko, bevor am nächsten Tag auf dem Jubiläumsball im Safari Court Hotel weitergefeiert wird. Am Samstag ist geht es dann gleich weiter mit dem Tag der offenen Tür. Die Schüler haben ab 9.15 Uhr Unterricht, und die Besucher können dabei zusehen. „Die Lehrer werden sich sicherlich mit Themen befassen, die auch für die Gäste spannend sind“, verspricht Pfänder. Ab 10 Uhr ist mit einem Brunch für das leibliche Wohl gesorgt, und ab 11 Uhr ist dann auch für die Schüler unterrichtsfrei, so dass auch sie daran teilnehmen können. Damit geht die Festwoche zu Ende, doch die Feierlichkeiten sind noch nicht vorbei. Was die DHPS ab März plant, wird aber noch nicht verraten. … Eine filmische Dokumentation des Festjahres wird zum Jahresende erscheinen.

Vor genau einem Jahrhundert, am 19. Januar 1909 wurde die Kaiserliche Realschule (KRS) eröffnet, der Vorläufer der heutigen DHPS. Seitdem hat die Schule eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 1912 wurde die Schulpflicht für alle weißen Kinder eingeführt.
© DHPS
Das Gebäude der Kaiserlichen Realschule im Jahre 1909. Die Vorläuferschule der heutigen DHPS stand in der jetzigen Robert-Mugabe-Avenue.
Besonders hart war das Jahr 1915. Die meisten Lehrer wurden in den Kriegsdienst einberufen. Weil außerdem eine Grippeepidemie um sich griff, musste die Schule vorübergehend geschlossen werden. 1918 wurden sogar alle Schulen vorübergehend geschlossen, da eine weitere Grippeepidemie Opfer forderte. Fast drei Monate blieben die Türen der KRS verriegelt. 1919 wurde die KRS in eine Privatschule, die Deutsche Realschule Windhuk (DRW) umgewandelt. 1920 beschloss die südafrikanische Regierung weitreichende Veränderungen. Verbeamtete Lehrer wurden repatriiert, Ersatz durfte nur aus Südafrika kommen. Außerdem sollten ab 1924 Englisch und Holländisch die Unterrichtssprache sein. Jedoch durften Privatschulen gegründet werden, die diesen Bestimmungen nicht unterliegen sollten.

Die Rettung war das Londoner Abkommen von 1923. Darin wurden den Deutschen die gleichen Rechte wie den Südafrikanern zugestanden. Deutsch durfte als Sprache beibehalten werden. 1929 war es dann soweit: die erste Abiturprüfung konnte in der DRW abgelegt werden.
Nachdem die DRW 1937 in Deutsche Oberrealschule Windhuk umbenannt worden war, brach 1940 der Zweite Weltkrieg aus. Fast alle Lehrer wurden interniert, die vorerst letzte Abiturprüfung wurde abgelegt und die Deutsche Oberschule in Höhere Privatschule umbenannt.

Nach Kriegsende sah es dann wieder schlecht aus für die deutsche Sprache. Die Schüler durften ihre Matrikprüfungen nur noch in Englisch oder Afrikaans ablegen. Nachdem man 1948 angefangen hatte, für Gleichberechtigung des Deutschen zu kämpfen, hatte 1959 das Gerangel ein Ende und Deutsch wurde auch bis in die Oberstufe hinein genehmigt. 1962 wurde die Schule in Deutsche Höhere Privatschule umbenannt.

Als 1975 Angola unabhängig wurde nahm sie zahlreiche deutsche Kinder von der geschlossenen Deutschen Schule Benguela auf. 1977 beschloss die DHPS, sich für Kinder aller Bevölkerungsgruppen zu öffnen, wenn sie die Zulassungsvoraussetzungen erfüllten. Als 1990 dann die „DDR-Kinder“ wiederkamen, wollten über 100 nach ihrer Vergangenheit in Deutschland zur DHPS gehen. 34 konnten angenommen werden.

Heute hat die DHPS ihre eigene Hymne, auf Deutsch, Englisch und Französisch. In der englischen Strophe heißt es: „Through many ups and downs until today striving forth without much rest”. Nach vielen Höhen und Tiefen ist die DHPS heute nicht nur deutsche Auslandsschule, sie ist auch als französische Auslandsschule anerkannt. Französische Kinder haben hier die Chance, in ihrer Muttersprache unterrichtet zu werden. Aber auch oshivambo- und namasprachige Kinder lernen hier. Als Leiterin der Integrierten Begegnungsschule hat Pfänder das Ziel, „miteinander friedlich und kooperativ zu leben“. Aber die Schule sieht sich auch als Bindeglied zur Bundesrepublik. 20 Prozent der Lehrkräfte sind Beamte aus Deutschland, alle drei bis acht Jahre wechseln sie. „Diese häufigen Veränderungen prägen unsere Schule natürlich“, sagt Pfänder, die selbst schon Gymnasien in Dortmund und Düsseldorf geleitet hat, „die Lehrer bringen immer den neuesten Stand der Bildungsentwicklung aus Deutschland mit“. Die Entwicklungen sind noch nicht vorbei. 2007 konnten die Schüler das erste Mal das Deutsche Internationale Abitur ablegen. Im Jubiläumsjahr schreiben die Schüler zum ersten Mal das Abitur nach zwölf Jahren, parallel dazu finden zum letzten Mal die alten Prüfungen nach 13 Jahren statt. An einem neuen Internetauftritt hat die Schule auch gearbeitet. Unter www.dhps-windhoek.de stellt sie neben Infos zur Schule ständig aktualisierte Informationen zum Festjahr bereit.


Von Stefanie Helbig
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