
Günther Pack drückt 60 Jahre nach seiner Schulzeit beim Jubiläum der DHPS noch einmal die Schulbank.
Es waren turbulente Jahre, die die Deutsche Höhere Privatschule (DHPS) in den 100 Jahren ihres Bestehens erlebt hat. Am komplexesten war aber wohl die Zeit des zweiten Weltkriegs. Diese Zeit hat auch Günther Pack, von 1938 bis 1949, als Schüler an der ehemaligen Höheren Privatschule (HPS) miterlebt. So anders sei der Alltag aber damals gar nicht gewesen, findet Pack. Von seinem Sohn und seinem Enkel, die auch an der DHPS waren, weiß er aber, wie sehr der Unterricht technisiert wurde. Zu seiner Zeit hätte das Lernen ohne Computer und Taschenrechner nur ein sehr einfaches Unterrichtssystem erlaubt, wo kein Raum blieb für Referate und Gruppenarbeit. Das damalige Arbeitspensum erscheint Günther Pack daher immenser, auch wenn sein Enkel ihn immer wieder in Erstaunen versetzt: „Es ist irre, was mein Enkel heute alles leisten muss.“ Im Unterschied zu heute sahen seine Ferienzeiten ganz anders aus: Den Menschen in Namibia war es verboten, außerhalb der Ferienzeiten in die verschiedenen Distrikte zu reisen. Ein Wochenende auf der Farm blieb den Schülern da verwehrt, auch weil die Spritrestriktionen die Familien in ihrer Mobilität einschränkten. Finanzielle Probleme gab es aber nicht nur manchmal für Eltern, sondern auch zunehmend für die Schule. Denn als nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges alle Lehrer interniert wurden, musste die damalige Rektorin Hermann auf dem Land nach Lehrerinnen suchen, die an Farmen unterrichteten, um die Schließung der Schule zu umgehen. Im Nachhinein hat Günther Pack erkannt: „Hut ab vor diesen Lehrerinnen, die uns für einen Hungerlohn unterrichtet haben“, auch wenn die Lehrer wegen ihrer Disziplin während der Schulzeit bei den Schülern nie wirklich beliebt waren. Trotzdem weiß der ehemalige Schüler jetzt, dass es ihnen zu Kriegszeiten immer noch besser ging als manchen Regierungsschulen: Auch wenn die Kinder nach 6 Uhr kein Brot mehr bekamen, weil dieses für die Soldaten an der Front gebraucht wurde, hatte man Sponsoren für Billigobst gefunden. Nach Unterrichtsende hatten dann alle Heimkinder zusammen gegessen und in ihrer Arbeitsstunde unter Aufsicht die Hausaufgaben gemacht. Am Nachmittag hatten die Kinder dann zusammen gespielt. Zwar gab es auch einmal in der Woche einen Stadturlaub , die Schüler sind aber nie alleine, sondern immer in Gruppen in die Stadt gegangen, denn da gab es des Öfteren Ärger mit anderen afrikanischen Jugendlichen. Die Kinder waren vor allem in einen Schreck versetzt, nachdem 1946 ein Autofahrer eine Gruppe von Schülern überfuhr und neun tötete. An das Leben im Heim hatte sich Günther Pack als Kind jedoch schnell gewöhnt: „Nach der Zeit wird es zur täglichen Begebenheit.“ Schließlich baten seine Eltern die Schule ja auch darum, den Jungen ins das Heim aufzunehmen, in dem auch schon seine beiden älteren Brüder wohnten. Dass die Heimkinder ein größeres Zusammenhörigkeitsgefühl hatten, zeigte sich auch morgens in der Schule, auch wenn die anderen Schüler nie ausgegrenzt wurden. Aber mit Eintreten des Krieges gab es an der HPS für alle Schüler viele Änderungen: Die südafrikanische Regierung verbat den deutschen Schülern Sportunterricht und befahl die Abschaffung der Sütterlinschrift. Als dann 1942 das Matrik eingeführt wurde, hatte die Schule keinen Raum mehr für Wahlfächer. Alle Kinder wurden so in Afrikaans, Englisch, Deutsch, Latein, Mathe, Biologie. Physik und Chemie unterrichtet. Es gab den Schülern wenigstens die Möglichkeit, später beim Studium eine große Fächerauswahl zu haben. Ab 1945 bekamen die Schüler dann südafrikanische Lehrer und Englisch und Afrikaans wurden zur Unterrichtssprache. Die Umstellung sei für die meisten Schüler aber nicht schwer gewesen: Schließlich hatten alle durch die Kommunikation mit Afrikanern ein gutes Afrikaans-Vokabular, auch wenn einzelne Fachausdrücke noch gelernt werden mussten. Deshalb war es für Günther Pack auch so wichtig, eine sehr engagierte Deutschlehrerin zu haben: „Frau Hösch war eine sehr strenge Lehrerin, aber das hatte seine Vorteile!“ Mit ihr lernten sie, kein Südwester Deutsch mit Afrikaanismen und Anglizismen zu sprechen, sondern ein klares Hochdeutsch, auch wenn sich die Jungen in ihrer Freizeit nicht auf Hochdeutsch unterhielten. Im Großen und Ganzen, so glaubt Günther Pack, habe sich an der Schule aber nicht viel geändert: Die Schüler von heute seien sicherlich freier und könnten sich mehr leisten. Aber für ihn steht fest: „Ich bin stolz, auf der HPS gewesen zu sein und meine Kinder und Enkel auch an der DHPS zu haben.“