"Historic Living Village", das etwas andere Museum - Erstes Projekt in Namibia
Sie tanzen und singen, spielen auf traditionellen Musikinstrumenten und zeigen traditionelle Heilungszeremonien. Mit kaum Stoff auf dem Leib geht es anschließend zu den Fallen im Busch. Abends wird vor den Hütten Feuer gemacht. Ab morgen können Touristen und interessierte Einheimische das traditionelle Leben der San miterleben, im "lebenden Museum" in Grashoek im Buschmannland.
Freilich ist das lebende Museum "Ju/Hoansi Historic living village" eine neue Touristenattraktion. Ein Zoo mit Menschen darin, die man vom sicheren Auto aus knippst und dann schnell weiterfährt, will es jedoch keinesfalls sein. "Hier handelt es sich um so genannten "Meet the people Tourismus", bei dem man mit den Menschen eine gewisse Zeit verbringt, man mit ihnen spricht, wandert, tanzt und möglicherweise sogar neue Freunde findet", erklärt Werner Pfeifer, der das Projekt angestoßen hat.
Er selbst sieht sich nur als eine Art Koordinator, der das morgen startende Projekt nun vermarktet. Denn im Grunde ist das lebende Museum etwas von den San für sie selbst. Die Grashütten unter den alten Mangettibäumen, sämtliche Kleidung und Ausrüstungsgegenstände, alles wurde von den Dorfbewohnern in Eigenregie hergestellt. Die Materialien besorgten sie sich direkt aus der Natur ringsum. Lediglich die Beschilderung kam von Sponsoren wie Bwana Tucke-Tucke, Greensport, Schlosserei Brockmann & Decor Signs. Das nötige Hintergrundwissen lieferte Sitatunga Tours.
Pfeifer sieht im "Ju/Hoansi Historic living village" weit mehr als nur eine weitere Attraktion für Namibia-Reisende. Denn das interaktive Geschichtsdorf ist als moderner Kultur- und Wirtschaftsbetrieb konzipiert. Historisch korrekt aufgebaut, wird das Dorf von seinen Bewohnern selbstständig betrieben und verwaltet. Die Einkünfte aus den Souveniers, die sie herstellen, wandern auch in ihre Tasche. Letztlich wurden also Arbeitsplätze für die ansässige Bevölkerung in einer entlegenen Gegend Namibias geschaffen.
Andererseits soll dieses Museum dazu beitragen, die Kultur des Volkes zu bewahren. Und es dient als Lehrstelle für moderne und traditionelle Berufe. Unter anderem gibt es eine Schnitzwerkstatt, zahlreiche Kunstgewerbe und Gesangsgruppen.
Die Generalprobe mit zwei deutschen Touristen als Versuchskaninchen Ende Mai dieses Jahres jedenfalls war laut Pfeifer ein durchschlagender Erfolg. Zum Programm gehören Tanz- und Singveranstaltungen, beispielsweise abends am Lagerfeuer, typische Spiele von Kindern und Erwachsenen, Jagen mit Speer und Bogen, Fallen stellen und Buschkost sammeln, die dann zubereitet wird und probiert werden kann. Weiter erläutern die San ihre traditionelle Lebensweise, erklären ihre Klick- und Schnalzlaute beinhaltende Sprache und lassen sich von den Besuchern bei der Herstellung von Pfeil und Bogen oder Schmuck über die Schulter schauen. Die Generalprobe wurde übrigens von professionellen Filmern der Firma Pilots Paradise aufgenommen. Die Bänder dienen nun Vermarktungszwecken.
Wenn das Projekt bei den Besuchern so gut ankommt, bleibt das Museumsdorf kein Einzelfall. Schon werden ähnliche Projekte im Ostaprivi, im Kuiseb und am Brandberg bei den Damara entwickelt. Im Gespräch sind auch Standorte im Ovamboland, bei den Herero in Gam, im Westcaprivi, in Tsinsabis und bei den Nama bei Maltahöhe.