
Hobbyastronom Elmar Rixen mit seinem Erstlingsroman „Stella“.
Für Bundesdeutsche ist Namibia ein exotisches Land. Und der Sternenhimmel ist hier so klar wie nur an wenigen anderen Orten der Welt. Für den in Kempen am Niederrhein geborenen Pädagogen Elmar Rixen ist das Argument genug, die Handlung seines Erstlingsroman nach Namibia zu verlegen. „Stella“ sei für den bundesdeutschen Leser geschrieben, sagt der Autor und Hobbyastronom, der derzeit zum 12. Mal das Land bereist. Doch vielleicht werden genausoviele Deutschsprachige in Namibia Gefallen an diesem Roman finden – schließlich gibt er dem Laien eine sehr plastische Einführung in die Wunder des südlichen Sternenhimmels.
Das Buch erzählt von einem Ferienaufenthalt der zwölfjährigen Stella in Namibia. Stellas Mutter ist Musikerin von Beruf und fast immer unterwegs. Seinen Vater hat das Mädchen nie kennengelernt; er soll bei einem Autounfall ums Leben gekommen sein. Für Stella ist es daher furchtbar aufregend, dass sie ihren Onkel Karl in Namibia kennenlernen soll. Zumal der zwei große Interessen mit ihr teilt: Wie sie spielt er Geige, und genau wie sie ist er auch ein begeisterter Hobby-Astronom. Für Stella steht fest: sie will mit Onkel Karl stundenlang den Nachthimmel beobachten.
Das tun die beiden dann auch – und nehmen den Leser dabei an die Hand. Angefangen bei den einfachen Sternbildern wie Alpha und Beta Centauri mit dem Kreuz des Südens, über Skorpion und Schütze, bis zu den Phänomen der Gas- und Staubnebel oder des Kohlensacks: Karl erklärt Stella die Grundlagen der Astronomie wie es ein Schullehrer nicht besser könnte. Dass das Buch dazu mit Fotos und Zeichnungen illustriert ist, macht diese romanhafte Sternkunde zugänglich für jeden Laien, ob jung oder alt. Er erfährt, wie ein Teleskop funktioniert, was eine Sonnen- oder Mondfinsternis ausmacht sowie allerhand Wissenswertes über Kometen und andere Himmelsobjekte.
Nebenbei ist „Stella“ auch noch eine Art Reisebegleiter. Der Autor nimmt die Fahrten seiner Protagonisten durchs Land zum Anlass, über die Tierwelt, die Völker und die Geschichte Namibias zu informieren. Leider bleibt es da nicht aus, dass der Erzählduktus manchmal zu lehrerhaft wirkt und die Dramaturgie darunter leidet. Onkel Karl will alles immer hübsch der Reihe nach erzählen, Stellas ungeduldige Fragen wischt er meist beiseite. Natürlich hat der Autor damit eine Methode entwickelt, seine Namibia- und Sternenkunde systematisch und geordnet an den Mann zu bringen, aber der Roman verliert damit erheblich an Spannung. Nach wie vor gilt schließlich: „Showing, not telling“ funktioniert einfach besser als Erzählmethode.
Doch von den anfänglichen Langeweile-Momenten des Romans sollte man sich nicht zu früh abschrecken lassen. Später nimmt die Handlung nämlich durchaus mehr Dramatik an. So erfährt Stella nach und nach, dass der sonst so redselige Karl viele Geheimnisse hat, von denen mindestens eines sie sehr direkt betrifft.
Hier wird „Stella“ zu einem Entwicklungsroman, der vom Erwachsenwerden seiner Protagonistin handelt – und ganz unerwartet tragisch endet. Doch auch dafür hat Autor Elmar Rixen ein plausibles Argument parat: Er wollte die Parallele zwischen irdischem Leben und dem Kosmos aufzeigen, sagt der passionierte Namibia-Urlauber. Hier und dort gehe es um Werden und Vergehen. Und wenn dabei – auch durch versteckte Zitate und Anspielungen – ein bisschen Goethe anklingt, liegt das durchaus in der Absicht des Erstlingsautors. Schließlich stand ein Trauerspiel des großen deutschen Dichters Pate für den Titel und die Heldin dieses Romans, Stella.
Elmar Rixen: „Stella“, Edition Octopus, Verlagshaus Mosenstein und Vannerdat OHG, Münster 2007. ISBN 978-3-86582-455-4.