
Grafikdesigner, Fotograf und Journalist Walter G. Wentenschuh hat sein zweites Buch über Namibia herausgebracht. Besonders seine grafische Liebe zum Detail spricht aus den 251 Seiten über Land und Leute.
Windhoek – Auch den schwäbischen Autor Walter G. Wentenschuh, der Namibia erstmals 1992 bereiste und seitdem immer wieder kommt, hat Namibia gefesselt. Es scheint ihn nicht mehr loszulassen, dieses Land, dessen menschenleere Weite und sternenklarer Himmel für Europäer so unfassbar sind. Geblieben ist Wentenschuh bis jetzt noch nicht, aber mit dem Gedanken spielt er schon längst. „Ich kann mir gut vorstellen, irgendwann hier zu leben“, sagt der 53-Jährige.
Der Grafikdesigner, Fotograf und Journalist lebt und arbeitet im baden-württembergischen Schwäbisch Gmünd. Seine Liebe zu gestalterischen Elementen zeigt sich auf jeder einzelnen Seite seines zweiten Buches über Namibia. Wentenschuh arbeitet viel mit Fotografien in den verschiedensten Formaten – sprechende Bilder verwendet er auch gerne zweiseitig. Dies verfehlt seine Wirkung nicht: Da scheinen einem riesige Militärfahrzeuge am Unabhängigkeitstag direkt in die Arme zu fahren, dann, ein paar Seiten weiter, fühlt man sich in die Leere der Namibwüste hineingezogen oder es strahlen einem die Schulkinder der Aris-Grundschule mit leuchtenden Augen ins Gesicht.
Wentenschuhs grafische Liebe zum Detail zeigt sich auch in den variierenden Schriftzügen, die sich aus Zitaten, Sprüchen und Auszügen aus Briefen und anderen historischen Dokumenten zusammensetzen. Diese kommentieren die Bilder oder wirken für sich. So kommt die Geschichte unverfälscht zu Wort und der Leser bleibt bis zuletzt gespannt, wie die nächste Seite aussieht – so ein Geschichtsbuch hätte man sich in der Schule gewünscht.
Der übersichtliche Aufbau des Buches zeigt einen Querschnitt durch die Geschichte des Landes: von der Entstehung des Superkontinents „Gondwana“, aus dem später Afrika, Südamerika, Australien, die Antarktis und Indien hervorgehen, bis zur Dokumentation der Unabhängigkeit Namibias. Die letzten zwanzig Jahre des Landes sind in soziale, kulturelle, ökonomische und geographische Themenblöcke unterteilt. Hier kommen deutschsprachige Menschen aus den verschiedensten Branchen zu Wort, die in Namibia leben und arbeiten und von ihrem Alltag erzählen. Neben Pastor Peter Pauly ist Bäcker und Metzger aus Swakopmund Thomas Raith und die Buchautorin Lucia Engombe zu finden. Auch der Farmer Ulf Dieter Vogts und der ehemalige Landwirtschaftsminister und jetzige Oppositionspolitiker Anton von Wietersheim gaben ein Interview. Aus der Sportbranche wird der Fußballer Collin Benjamin vorgestellt, der als Profispieler in Deutschland beim Hamburger SV einen Vertrag bekam. Schade ist nur, dass einige Daten und Zahlen Unstimmigkeiten aufweisen.
Wenn man den Autor fragt, was ihn an Namibia am meisten fasziniert, dann weiß er gar nicht, wo er anfangen soll. „Neben dem Klima und der einmaligen Natur sind es vor allem die Menschen“, sagt er. „Obwohl die Entfernungen teilweise riesig sind, scheinen sich die Leute irgendwie alle zu kennen und helfen sich gegenseitig.“ So einen Zusammenhalt kenne er aus Europa nicht. „Dazu kommen die vielen faszinierenden Projekte und Ideen der deutschstämmigen Namibier, die eine verheißungsvolle Identität dieser jungen Nation fördern helfen.“
Julia Kohl
„Namibia: Geschichte, Menschen, Perspektiven Dokumentation über eines der schönsten deutschsprachigen Länder der Welt“, Edition Namibia / Band 11, Klaus Hess Verlag, 2011: Druck: Druckerei Kössinger AG, Schierling. ISBN: 978-99916-57-36-3. Preis: 397.00 N$