
Zwei Welten in einem Kopf – Ipumbu Benjamin Amushila hat in diesem Bild („Return from Exile, 1990“) die Zerrissenheit von heimkehrenden Exilanten zum Ausdruck gebracht.
Seit Lucia Engombe in „Kind Nr. 95 – Meine deutsch-afrikanische Odyssee“ über ihr Leben als sogenanntes DDR-Kind berichtet hat, muss ihre Biografie als Paradebeispiel für das Schicksal derjenigen Jugendlichen herhalten, die als Kleinkinder aus Flüchtlingslagern in Angola in die DDR verschleppt wurden, um dort eine Swapo-gerechte Erziehung zu genießen. Auch Zappen-Thomsons Vortrag am Montag im Goethe-Zentrum Windhoek stützte sich auf Engombes Buch. Unter dem Motto „Kind Nr. 95, einmal anders betrachtet“ referierte die Sprachwissenschaftlerin über die Schwierigkeit der Identitätsfindung für die ehemaligen DDR-Kinder.
Obwohl Zappen-Thomson einen theoretischen Überbau für das Phänomen der kulturellen und sprachlichen Zerissenheit der DDR-Kids aufstellte, lieferte der Vortrag letztendlich keine neuen Erkenntnisse. Vielmehr hinterließ er den Wunsch, dass sich jemand mal intensiver mit dem Schicksal der jungen Menschen beschäftigt. Lucia Engombe scheint ihre deutsch-afrikanische Odyssee heile überlebt und verwunden zu haben. Doch was ist mit all den anderen Schicksalen? Was ist mit denjenigen ehemaligen DDR-Kindern, die den krassen Gegensatz zwischen dem behüteten Internatsleben in Ostdeutschland und der Heimkehr in das ihnen völlig fremde Namibia nicht so gut überstanden haben? Das wäre ein lohnendes Thema für eine soziologische und psychologische Studie – und ein wichtiger Schritt zur Vergangenheitsbewältigung.