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Regen in Namibia

 

Vom 25.02.2010

Dem Kolonialzeitmuseum von Fröhstockheim fehlt ein Reitermantel

Norbert Linke sucht einen Mantel. Es handelt sich dabei um keinen gewöhnlichen Mantel, sondern um einen Reitermantel aus der Schutztruppenzeit für sein privates Kolonialzeitmuseum in Fröhstockheim/Deutschland.

© privat
Ehemalige „Südwester“ sind Norbert Linkes (l.) Einladung gefolgt und haben das Kolonialzeitmuseum in Fröhstockheim besucht.
In Norbert Linkes Privatmuseum hat alles aus der deutschen Schutztruppenzeit im damaligen Deutsch-Südwestafrika seinen Platz. Anhand von Originalstücken zeigt er seinen Besuchern ein umfangreiches Bild aus dieser Zeit. Jede Menge Archivalien, Ausrüstungsgegenstände wie Impfbesteck, Feldflasche, Utensilien, verschiedene Uniformen, Fahnen, Dokumente, Fotos, viel Privates darunter, sind dort zu bewundern. Nur eben noch kein Reitermantel. „Der fehlt mir noch“, sagt Linke. Doch auch andere historische Wertsachen aus der Kolonialzeit nimmt er immer noch gern entgegen. „Allerdings nur vereinzelte Erscheinungen aus den Jahren 1884 bis 1919“, präzisiert er.

Eigentlich ist Linke gar kein Freund des Militärs, doch es gab einen Mann, der bei ihm das Interesse an der kolonialen Schutzmacht geweckt hatte: Sein Großvater, Vize-Feldwebel Leonhard Köberlein. Im Frühjahr 1904 hatte sich Köberlein, der damals zum 18. Infanterieregiment gehörte, zur Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika gemeldet. Nach seiner Ausbildung mit Pferd und Gewehr war er am 20. August 1904 unter Kaiser Wilhelm II. als Soldat mit dem Schiff Silvia von Hamburg nach Swakopmund geschickt worden. Mit ihm an Bord waren 812 Männer, 32 Offiziere und 200 Pferde.

Als Köberlein 1919 nach seinem Dienst zurück nach Hohenfeld reiste, hatte er nicht nur abenteuerliche Geschichten, sondern auch eine wasser- und termitenfeste Holzkiste mit diversen historischen Andenken im Gepäck. „Afrika war für uns Kinder immer interessant“, erzählt Linke. Während die Mutter des Öfteren sagte: „Hör doch endlich auf mit den alten Kamellen“, hätten er und seine Brüder gespannt an den Lippen des Großvaters gehangen. „Immer wieder musste er aus der damaligen Zeit erzählen.“
© privat
Der Historiker und freischaffende Autor Andreas Vogt (r.) zählte ebenfalls zu den Besuchern dieses einzigartigen Museums. Für Interessenten hat Linke auch eine Internet-Webseite (www.linke-kolonialmuseum.de) eingerichtet.
Köberlein gehörte zu den Kamelreitern, die dazu abkommandiert waren, die Verfolgung der Aufständischen aufzunehmen. Aber seine Erzählungen handelten nicht immer nur von Aufständen. So gab es u.a. auch die unvorstellbare Anekdote: „von dem Bambusen, der die Teller reinigte, indem er reinspuckte und einfach abwischte“. Nebenbei habe man versucht, Malaria, Typhus und Ruhr in den Griff zu bekommen. Das soll ebenso viele Opfer gefordert haben wie der Krieg selbst.

Die Waffenruhe nach dem Herero-Aufstand dauerte nicht lange, mit dem Ersten Weltkrieg ging der Kampf um Deutsch-Südwestafrika erneut los. Nach einem erbitterten Kampf nahmen die englischen Soldaten über 3000 Deutsche in Gefangenschaft. Köberlein verbrachte somit die letzten fünf Jahre seines Einsatzes für das deutsche Vaterland in einem Internierungslager. Dort betrieb er bis zu seiner Heimreise die Poststelle.

Großvater Köberleins Erlebnisse entfachten in Linke eine Sammelleidenschaft. 1998 flog er zum ersten Mal nach Namibia. Auf der Suche nach Geschichtlichem war sich Linke nicht zu schade, auch mal zu Schaufel und Spachtel zu greifen. So fand er in der Nähe von Gochas, wo sein Großvater stationiert war, alte Flaschen. „Überall in Namibia stößt man auf die Spuren der deutschen Vergangenheit“, so Linke, „viele Gebäude, die vielen alteingesessenen, namibischen Farmer und die deutsche Sprache“. Wieder zu Hause fing er an, die alten Sachen von seinem Großvater zusammenzutragen. „Auch meine beiden Brüder mussten die vererbten Sachen wieder herausrücken.“

Heute hat der Hobbyhistoriker so viel zusammen, dass es ein Museum geworden ist. Zudem las sich Linke in die Geschichte ein, besuchte viele Versteigerungen, suchte im Internet. Die Suche nach seinen eigenen familiären Spuren prägten in ihm auch seine eigenen Ansichten, besonders über die Kolonialkriege und die Völkermord-Theorie des Herero-Aufstands.

Anfangs wollte Linke seine Ausstellung einem Museum in Namibia überlassen, doch als dann im Gästebuch vom Rödelsee-Altbürgermeister Friedrich Amberger schriftlich vermerkt wurde: „Alle Achtung – eine Attraktion für die Gemeinde“, entschied er sich dagegen. Traurig stimmt ihn allerdings immer noch die Tatsache, dass einst ein ganzer Karton alter Briefe mal versehentlich verbrannt wurde.

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