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Regen in Namibia

 

Vom 25.07.2008

Comeback für Swakara-Mode

Deutsche Nachwuchsdesigner mit namibischen Fellen international erfolgreich

Seit fünf Jahren arbeiten Studierende des jeweiligen Abschlussjahrganges an der Modeschule ESMOD in München mit einem Material, das in den siebziger und achtziger Jahren in der Bekleidungsbranche schon einmal hochgeschätzt war, dann aber fast ganz von der Bildfläche verschwand: Felle der namibischen Karakul-Lämmer. Jetzt feiert das Studienprojekt auch international Erfolge.

© Privat
Petra Dufkova hat diese Kurzjacke mit Fellkragen designt.
Initiiert wurde das außergewöhnliche Modeprojekt durch eine Kooperation der namibischen Karakul-Züchtervereinigung und der süddeutschen Modeschule. Die Forderung der Züchter an die jungen Nachwuchsdesigner: Neue Verwendungsmöglichkeiten für die besonders flachen und leichten, moiréartig gezeichneten Lammfelle zu finden und dabei eine junge Verbrauchergruppe anzuvisieren. Die Münchner Studenten meisterten diese Aufgabe mit Bravour. So errang etwa im März dieses Jahres eine Absolventin der Modeschule mit einem hinreißenden Cape aus naturweißen Fellen den ersten Preis in einem internationalen Design-Wettbewerb in Mailand.

Auch die in diesem Jahr ihr Studium abschließenden Stylisten und Modelisten zeigten in ihren Diplomkollektionen, was Begeisterung und Kreativität aus einem ursprünglich traditionellen Material machen kann: Topaktuelle Bekleidung und attraktive Accessoires.

Petra Dufkova zum Beispiel überzeugte mit einer eigenwilligen kurzen Jacke in raffinierter Linienführung. Das Besondere: der faszinierende Kontrast zwischen glattem Leder und der moiréartigen Struktur der Lammfelle. Perfekt die Harmonie der Farbtöne beider Materialien in weichen Grau-Nuancen. Pfiffig die wie eine kleine Weste wirkende Frontpartie der Jacke, die mit einem Zip zu schließen ist. Weitere Blickfänge sind der dekorative schalartige Fellkragen, der von dem darunter liegenden Stehkragen aus Leder durch Reißverschluss abgetrennt werden kann, und die langen Fellmanschetten. Als schickes Accessoire gibt es eine großformatige Tasche aus Swakara.

Elisabeth Winkler wählte für ihre Modelle Materialien, Oberflächen und Strukturen, die das Thema „Unterwasserwelten“ ausdrücken sollen: matt glänzenden Satin, das wellenartige Lockenbild naturschwarzer Swakara-Felle, fließender Chiffon. Eine lange, schlanke Blazer-Jacke mit betonter – fast spitzer – Schulter wirkt mit diesem edlen Material-Mix ungemein feminin und zeitlos-elegant.

Das gleiche gilt für ein kurzes Jäckchen aus leichtem, weichem Swakara mit voluminösem Kragen aus Organza und Chiffon-Applikationen.

Susanne Hasch will mit ihren Kreationen „futuristische Klassik“ schaffen. Dafür verwendete sie hochwertige Materialien, neben Baumwollstoffen und Seide edles Leder und Swakara. Die Schnitte sind schlicht und modern – so entsteht ein kühler, taffer Look, geeignet ebenso als Alltags-Chic, wie zum Abend-Glamour. Typisch ist das Spiel mit Kontrasten, mit Materialgegensätzen: etwa bei der Bolerojacke und der langen, schmalen Weste, bei denen das bicolor-gefärbte Swakara-Fell neben fast wuchtigen Lederstreifen eine ganz eigenständige, lebendige Struktur bekommt.

Bei der Realisierung der Modelle erhielten die Jungdesigner tatkräftige Unterstützung von bayerischen Kürschnerbetrieben.

Doch nicht nur in Deutschland, auch unter den Karakulfarmern Namibias wertet man das Projekt als großen Erfolg. So hat das mehrjährige Studienprojekt mit der Modeschule dazu beigetragen, den am Rand der Namibwüste unter schwierigen Bedingungen produzierten Lammfellen neue Aufmerksamkeit und Nachfrage im Modemarkt zu verschaffen. Indiz dafür sind die stark gestiegenen Preise für diese Felle auf dem Weltmarkt.

Karakullämmer stammen ursprünglich aus Zentralasien und wurden 1907 vom deutschen Unternehmer Paul Thorer in Namibia eingeführt. Durch Zucht und Selektion entstand Schritt für Schritt eine spezielle flache, breitschwanzartige Fellstruktur, die sich heute vom Haarbild der asiatischen Karakulschafe deutlich unterscheidet. Dank ihrer Resistenz auch unter extrem harten und trockenen Lebensbedingungen bringt das Karakulschaf heute in Namibia ein Nutzungspotenzial mit, das von keinem andern Haustier erreicht wird: Verarbeitet werden nicht nur Wolle und Felle der flauschigen Vierbeiner, auch in der Fleischproduktion finden die Lämmer Verwendung.
Von WAZon
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