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Vom  3.09.2010

Briefmarkenmalen – eine ganz spezielle Kunst

Anja Denker ist eine von nur zwei Künstlern in Namibia, die diese Kunstform betreiben

Es gibt nicht viele Künstler, die sich mit Briefmarkenmalerei beschäftigen. Anja Denker ist eine von nur zwei Malern, die diese verantwortungsvolle Aufgabe in Namibia wahrnimmt. Ihr Schwager, Helge Denker ist der andere. Auch wenn die beiden nicht miteinander arbeiten, ist Briefmarkenmalerei in Namibia ein klein wenig auch Familiengeschäft.

© Wiebke Schmidt
Anja Denker ist eine von zwei Künstlern, die namibische Briefmarken entwerfen und zeichnen.
Anja Denker arbeitet in einem kleinen Flat direkt am Pool in ihrem Garten. Eigentlich ist sie Modedesignerin. Die Begeisterung für Kunst war jedoch seit ihrer Kindheit fester Bestandteil ihres Lebens. „Nach der Geburt meiner Tochter habe ich damit angefangen Bücher zu illustrieren“, erzählt Denker. „Hierdurch habe ich die notwendige Fingerfertigkeit für das Bemalen von Briefmarken erlernt. Damit hat alles angefangen.“ Bei einem Workshop im Jahr 2000 sei sie in Berührung mit der Briefmarkenmalerei gekommen. Besonderes interessant für Denker sind die speziellen Aspekte dieser besonderen Kunst: „Briefmarkenmaler benötigen eine gutes Auge fürs Detail und Fingerspitzengefühl. Nicht jeder Künstler kann automatisch auch Briefmarken malen.“ Früher wurde dies hauptsächlich von südafrikanischen Künstlern vorgenommen. Vor ungefähr zehn Jahren hätte sich das geändert. Seitdem setzt die namibische Post auf Briefmarken made in Namibia.
Denker sieht sich selbst nicht als abstrakte Künstlerin, sondern legt darauf Wert, naturgetreu zu malen, weshalb sich dieser Stil besonders gut für sie eigne. Eine Briefmarke ist ungefähr 30 mal 40 mm groß. Um die Details exakt erfassen zu können wird das Motiv zunächst in drei- bis vierfacher Vergrößerung gezeichnet. Anschließend wird die Größe vom Drucker reduziert. Gedruckt wird ausschließlich in Spezialdruckereien. Briefmarken sind Wertmarken und unterliegen daher besonderen Bedingungen, wie sie beispielsweise auch für den Gelddruck gelten. Namibias Briefmarken werden größtenteils in einer Spezialdruckerei in den Niederlanden, teilweise auch in Frankreich, Österreich und Südafrika hergestellt.
© Wiebke Schmidt
Mit neuen Motiven und Designs sollen auch Kinder fürs Briefmarkensammeln wieder begeistert werden. Durch SMS und E-Mail verschwinden Briefmarken immer mehr aus unserem Alltag.
Bevor eine Briefmarke angefertigt wird, kommt es zunächst zu einer Ausschreibung. „Ich habe da relativ viel freie Hand“, erzählt Denker. Jedes Jahr setzt sich die namibische Post und das sogenannte Stamp-Advisery-Komitee zusammen, um über Bilder und Themen zu beraten. Das Komitee besteht überwiegend aus Künstler und Briefmarkensammlern. „Es kann auch jeder Bürger Vorschläge machen“, so Denker. Bevorzugte Themen seien die Geschichte des Landes, Industrie, Kultur sowie Flora und Fauna. Außerdem stünden auch immer wieder Spezialthemen, wie die Fußball-WM oder die Olympischen Spiele zur Debatte. Hauptzielgruppe für den Briefmarkenverkauf stellen die Briefmarkensammler dar. „Über 50 Prozent der Marken werden von Sammlern gekauft“, sagt Denker, weshalb die Belange dieser Gruppe auch besonders berücksichtigt würden. Leider gäbe es immer weniger Sammler, was nicht zuletzt auch damit zusammenhänge, dass dieses Hobby nicht gerade billig sei. Eine vollständige Briefmarkenserie könne sich unter Umständen auf mehrere Hundert Dollar belaufen. „Das ist sehr viel Geld“, meint Denker. Die namibische Post schraube deshalb die Anzahl der Serien immer weiter herunter. Einzelne Marken werden immer noch in einer Auflage von bis zu 45000 Stück gedruckt.
© Wiebke Schmidt
Wenn eine bestimmte Thematik ausgewählt wurde, beginnt die eigentliche Arbeit für Anja Denker. Ihre Lieblingsmotive sind vor allem Flora und Fauna. Bedrohte Tierarten liegen ihr besonders am Herzen. „Ich muss zunächst intensive Nachforschungsarbeit betreiben. Das dauert oftmals sehr lange“, erklärt Denker, die sich beim Malen von Naturthemen auch den Rat von Experten einholt, um so realitätsgetreu wie möglich arbeiten zu können. Dann erst, nachdem das Konzept der Marke festgelegt wurde, beginnt die künstlerische Gestaltung. Zunächst in Schwarz-Weiß. Manchmal sind die Bilder derart detailgetreu, dass Denker mit der Lupe arbeiten muss. Danach folgt die farbliche Umsetzung der Motive. Die fertige Marke wird dann wiederum der namibischen Post vorgelegt. Dort wird darüber entschieden, ob eine Marke in Serienproduktion geht oder nicht. Ein halbes Jahr dauert es insgesamt von der Themenauswahl bis zum fertigen Druck. Das besondere an namibischen Briefmarken: Der Name des Autors ist auf der Marke zu lesen. Für Denker auch ein kleines Stück Wertschätzung für ihre Arbeit.
© Wiebke Schmidt

Mit vielen neuen Ideen sollen künftig auch wieder Kinder fürs Briefmarkensammeln begeistert werden. Vor allem mit bunten Tiermotiven und interessanten Naturthemen. „Briefmarkensammeln als Hobby stirbt leider aus“, sagt Denker ein wenig traurig. „In Zeiten von Email und SMS werden immer weniger Briefe verschickt.“ Für das nächste Jahr stehen die Briefmarkenthemen bereits fest: Die Frösche in Namibia sowie die „Big Five” sind nur einige der Höhepunkte namibischer Briefmarken auf die sich Sammler weltweit freuen dürfen.
Von Sebastian Kaiser
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