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Über die Ursprünge und Bedeutung des Rastafari-Kultes

Rastamann, wer bist du?

Der beliebte namibische Reggaemusiker Ras Sheehama gibt in der kommenden Woche drei Konzerte im Warehouse Theatre in Windhoek. Die Auftritte sollen wieder einmal ein Tribut an den großen Reggaekönig Bob Marley sein. Dessen Musik kennt jeder, seine Rastalocken, seine Vorliebe für "Ganga" (Marihuana) und seine Friedensbotschaften auch. Bob Marley war ein "Rastafari". Was aber versteckt sich eigentlich hinter diesem Begriff? Eine kleine Geschichte des Rastafari-Kults.

Wenn jemand Rastalocken trägt, Reggaemusik liebt und gerne Marihuana raucht, muss er entgegen weitverbreiteter Ansicht noch lange kein Rastafari sein. Hinter dem Begriff verbirgt sich nämlich weitaus mehr als nur diese äußerlichen Attribute, die heute oft nicht mehr als eine Modeerscheinung sind. Rastafaris sind Anhänger einer Religion.

Diese religiöse Bewegung entstand etwa um das Jahr 1930 in Jamaika. Als Gründer und Gott gilt Haile Selassie, der 1930 als König von Äthiopien gekrönt wurde. Tafari Makonnen, wie Selassie vor seiner Krönung hieß, war aber eigentlich mehr die Verkörperung des Rasta-Glaubens als der eigentliche Gründer der Religion.

Die ursprünglichen Rastas entnahmen ihre Glaubensgrundsätze der Philosophie von Marcus Mosiah Garvey (1887-1940). Garvey predigte seit 1927 auf Jamaica, dass alle Schwarzen in der westlichen Welt nach Afrika zurückkehren sollten, von woher die Kolonialmächte ihre Vorfahren als Sklaven geholt hatten. Nach Garveys Ansicht waren Schwarze in Amerika nicht nur physisch unterdrückt worden, sondern hatten durch Jahrhunderte weißer Vormachtstellung auch eine Sklavenmentalität angenommen. Sie sollten auf die Krönung eines Königs in Afrika warten, dann sei ihre Rettung nah. Als dann 1930 Prinz Ras Tafari Makonnen als der neue König von Äthiopien gekrönt wurde und dabei den Namen "Haile Selassie" (Die Macht der Dreifaltigkeit) für sich beanspruchte, sahen viele Schwarze in Amerika und Afrika dies als die Erfüllung von Garveys Prophezeiung. Damit begann die eigentliche Rastafari-Bewegung.

Ironischerweise war Selassie selbst nie ein Rastafari, sondern Anhänger eines äthiopisch-orthodoxen Glaubens, der auf der christlichen Theologie basiert. Und Garvey war kein Bewunderer von Selassie - er ging sogar so weit, die Äthiopier als "verrückte Fanatiker" zu bezeichnen.

Von 1930 bis in die 60er Jahre war die Rastafari-Bewegung eine vor allem auf Jamaica beschränkte Religion. Es gab allerdings weder eine landesweite Kirche noch einen Konsens über eine Doktrin. Leonard Howell jedoch, der als einer der ersten Rastafari-Prediger gilt, hatte seiner Gefolgschaft sechs fundamentale Prinzipien mitgegeben: den Hass auf die weiße Rasse; die Überlegenheit der schwarzen Rasse; die Rache an den Weißen für ihre Bösartigkeit; die Nichtanerkennung der Regierung von Jamaica; Vorbereitung auf die Rückkehr nach Afrika und die Anerkennung von Haile Selassie als höheres Wesen und als einzigen Herrscher der Schwarzen.

Die Rastafaris erkennen manche Bücher der Bibel als heilige Texte an, allerdings glauben sie, dass Teile der Bibel durch "Babilon" verändert wurden. "Babilon" repräsentiert in der Rasta-Sprache die Machtstruktur der westlichen, weißen Welt. Schwarze müssen nach diesem Glauben immer wieder an ihre Herkunft erinnert werden und sich gegen "Babilon" erheben.

In den 70er Jahren veränderte sich das bis dahin in der westlichen Welt sehr negativ geprägte Bild der Rastafaris und wurde - unter anderem durch Jamaicas Kunst und Musik, speziell den Reggae - zu einer positiven, kulturellen Kraft. Besonders Bob Marley gab der Bewegung ein neues Image und seine Popularität verschaffte der Rasta-Ideologie ein breiteres Publikum. Heute sind die meisten Rastafaris Pazifisten, obwohl ein Großteil der Unterstützung für die Bewegung aus Antisemitismus gegen Weiße entstand.

Viele der Symbole der Bewegung haben seit den 80er Jahren ihre religiöse und ideologische Bedeutung verloren. Die Praxis der Religion ist nicht so stark reguliert wie diejenige der meisten Weltreligionen. Ein Grund dafür mag sein, dass es - besonders seit dem Tod von Haile Selassie 1975 - keinen klar definierten Religionsführer und folglich auch keine verbindlichen Schriften gibt.

In den vereinigten Staaten gibt es heute etwa 3000 bis 5000 Rastafaris, weltweit etwa eine Million. Die meisten Anhänger der Religion sind Männer, die Mehrheit davon Afrikaner. Es gibt aber auch chinesische, ostindische, afro-chinesische und afro-jüdische und einige wenige weiße Rastafaris.

Kleines Lexikon der Rastafari-Symbolik

- Farben: Rot, Gold und Grün. Rot symbolisiert das Blut, das die Märtyrer der Bewegung vergossen haben. Gelb steht für den Reichtum des Heimatkontinentes Afrika. Grün symbolisiert die Schönheit und Vegetation von Äthiopien, dem gelobten Land. Manchmal kommt dazu noch Schwarz, repräsentativ für die Hautfarbe der Afrikaner.

- Ganga (Marihuana): Entgegen geläufiger Meinung rauchen gläubige Rastas Marihuana nicht zum Vergnügen, und manche rauchen es auch gar nicht. Das "Weisheitskraut" wird eigentlich aus spirituellen und sogar medizinischen Gründen gebraucht. Einige Bibelstellen bestätigen die Rastafaris in ihrem Glauben, dass Jah (Gott) dies so gewollt hat.

- Löwe: Der Löwe - ein Symbol, das einem auf Jamaica überall begegnet - steht für Haile Selassie, den siegreichen Löwen von Juda, den König der Könige. Er versinnbildlicht aber auch den partriarchalen Aspekt der Bewegung. Frauen hatten bei den Rastafaris nichts zu sagen und waren den Männern untergeordnet.

- Essen: Die echten Rastas essen nur "I-tal food", d.h. Essen, das keinerlei Chemikalien, Preserviermittel oder Salz enthält und vollkommen natürlich ist. Streng gläubige Rastafaris sind Vegetarier und trinken mit Vorliebe Tee.

- Rastalocken ("dreadlocks"): Die Locken symbolisieren die Rasta-Wurzeln und den Löwen von Juda. Sie symbolisieren auch die Rebellion gegen das System.

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26-Apr-2002-07:00

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