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Regen in Namibia

 

Vom 20.04.2001

Auf Inspirationssuche im Raumschiff

Museumsprojekt: Auf "Etaneno" arbeiten deutsche Künstler vier Wochen lang in aller Ruhe

Der Baden-Badener Künstler Alfonso Hüppi hat auf einer Rinderfarm zwischen Kalkfeld und Otjiwarongo ein eigenwilliges Künstlerprojekt ins Leben gerufen: "Etaneno". Seit 1999 gibt es das "Museum im Busch". Bereits viermal wurden junge Künstler zum intensiven Arbeiten in afrikanischer Umgebung eingeladen. Jetzt wurde das Projekt durch den Baden-Württembergischen Kulturminister offiziell eröffnet.

Da sitzt er wie ein kleiner König, auf einem Steinhaufen mitten in Namibia: Der Baden-Badener Künstler Alfonso Hüppi. Stolz und zufrieden sieht er aus, aber auch so, als hätte er diesen Rundgang auf "Etaneno" von Kunstwerk zu Kunstwerk schon oft gemacht. An der Einfahrt zur Farm taucht im knackig grünen Gras ein Termitenhügel auf, sandfarben, von der anderen Seite ist er als buntes Zwergengesicht bemalt. Hinter dem Haus entspinnt sich zwischen Bäumen und Boden eine eigentümliche Maschendrahtkonstruktion. Vor der Terrasse liegt der Farmkompass, ein überdimensionales Kreuz aus Steinen, die flach am Boden die Himmelsrichtungen anzeigen. Rinder soll es hier auch geben, aber die lassen sich nicht blicken. Weit und breit nur Busch und Kunst.



Und so heisst auch das Projekt: "Museum im Busch". Vor drei Jahren hatten Alfonso Hüppi und der Architekt Erwin Gebert die Idee. Geberts Rinderfarm soll nicht nur Rinderfarm bleiben, sondern auch Museum und Arbeitsstätte für junge Künstler sein. Bereits die vierte Gruppe ist für einen Monat hier, in der Nähe von Kalkfeld, um sich ganz ihrer Arbeit widmen zu können. Keine hektische Großstadt, keine Party und vor allem kein Kunstbetrieb.



Jetzt, nach zwei Jahren Vorlaufzeit und insgesamt 24 Künstlern, die auf der Farm waren, wird das Projekt "Etaneno" offiziell eröffnet. "Das soll kein privates Mirakel bleiben," sagt Hüppi. "Es ist alles so schön absurd, es hat gar keinen Sinn, außer für sich selbst", freut sich der Künstler an seiner wahnwitzigen Idee, mitten in Afrika eine kleine Künstlerkolonie aufzubauen. "Ich dachte, es ist so schön irreführend, das ,Museum im Busch’. Jeder erwartet kleine Buschmänner mit Pfeil und Bogen. Das geht natürlich völlig daneben."



Tatsächlich erinnert in der hellen Ausstellungshalle nur wenig daran, dass vor den Türen Afrika anfängt. Nur ein Teil der Arbeiten nimmt die Umgebung als Motiv auf. Die Werke stammen von verschiedenen Künstlergenerationen, die auf Etaneno gearbeitet haben, jeder auf seine Weise. Mitten im Raum hängt an Nylonschnüren der alte Farmtraktor, in seine Einzelteile zerlegt. An der Wand eine Hererofrau im Plastikgartenstuhl, eine Fotomontage aus Landschaftsmotiven: Das sind die Eindrücke, die Afrika bei den jungen Künstlern hinterlassen hat.



"Es besteht kein Zwang, überhaupt etwas zu produzieren, oder sich unbedingt auf Afrika zu beziehen," erklärt die Kölner Künstlerin Uschi Huber die Idee hinter dem Projekt. Aber das passiere natürlich fast zwangsläufig. So wie beim Amerikaner Michael Vessa. Er hat die Umgebung nicht thematisch in seine Arbeit aufgenommen, sondern fügt seine Kunst in die Landschaft, die er vorgefunden hat, ein. So entstanden Drahtkonstruktionen, im Boden verankert und an Akazien aufgespannt. Jede Minute wirken sie anders, verändern sich im lebendigen afrikanischen Licht. Beinahe hätte er deswegen das ganze Projekt abgeblasen, "die Lichtverhältnisse sind so schwer einzuschätzen". Doch jetzt lebt die Arbeit gerade davon.



Auch wenn die Kunst auf Etaneno teilweise recht hermetisch ist, zeigt sich Klaus von Trotha begeistert. Gutgelaunt lässt sich Baden-Württembergs Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst von Bild zu Bild führen. Alfonso Hüppi erklärt bereitwillig. Mit weißen Seidenstrümpfen in den Sandalen begleitet ihn seine Gattin. Als es zum Farmrundgang geht, blickt Hüppi schmunzelnd nach unten: "Sind Sie sicher, dass die das aushalten?" Die Etaneno-Eröffnung ist für den Minister ein kleiner Abstecher von seiner letzten Dienstreise. Eigentlich war er in Südafrika, um Baden-Württembergs Partnerschaften mit Universitäten und Instituten zu pflegen. Die sind ganz nach seinem Geschmack, verstehen sich als Marktteilnehmer. Und obwohl er in Kürze aus dem Amt scheidet, wird er nicht müde den Vorbildcharakter dieses Hochschulsystems für Deutschland zu betonen. Jetzt steht er hinter einem skurrilen Rednerpult, eigens für die Veranstaltung entworfen. Den kargen Pressspan schmücken wenige Lametta-Fähnchen und eine einzelne Glühlampe. "Das sieht ja schräg aus", amüsiert sich Svenja Kreh. Etwas schräg findet die Künstlerin auch das ganze Projekt. Klar sei es toll, die Möglichkeit zu haben, sich ganz der Arbeit zu widmen und das in Afrika, "aber es ist wie auf einem Raumschiff hier. Total abgekapselt", beschreibt sie die Situation. "Man ist als Künstler immer politisch, deshalb ist es komisch, hier vom Drumherum gar nichts mitzukriegen. Eine richtige Kolonie."



Solch kritische Nuancen gibt es beim Minister nicht. Ob er die Idee nicht problematisch finde, eine deutsche Künstlerkolonie in Namibia? "Ach was, das ist doch egal, woher man kommt. Hauptsache ist, es gibt einen Austausch auf künstlerischer Ebene." Der hat zumindest begonnen. Natascha Beukes aus Windhoek ist die erste namibische Künstlerin, die nach "Etaneno" eingeladen wurde. Noch sind die Bande nach Draußen zart, doch den Kontakt will man in Zukunft intensivieren. "Obwohl", gibt Hüppi zu bedenken, "es seine Zeit dauert, bis es zur Befruchtung kommt."
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