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Fast 100 Jahre haben die Pfadfinder in Namibia Tradition - Heute sucht der Bund Nachwuchs

Doch wie fast alle Traditionsvereine landesweit leidet der "Deutsche Pfadfinderbund in Namibia" unter Mitgliederschwund. Waren es in den Neunzigern, noch über 30, sind es heute nur noch ein Dutzend. Die älteren Pfadfinder wie seine Tochter Astrid (22) haben den Horst mit dem Schulabschluss gen Uni und Berufswelt verlassen, neue kleine Pfadfinder finden sich in Windhoek derzeit kaum. "In der Gruppe der jungen Pfadfinder haben wir momentan vier Mitglieder, bei den älteren sind es derzeit fünf, die regelmäßig unsere Treffen besuchen", erzählt Horstführer Klaus Jacobi. In Swakopmund gibt es dagegen derzeit um die 35 Pfadfinder, in Grootfontein um die 17. Alle drei Vereine sind dem Dachverband und der Landesführung der Pfadfinder in Namibia unterstellt.Woran es liegt, dass der Verein in Windhoek die jungen Mitglieder an zwei Händen abzählen kann - der 58-jährige Familienvater Klaus Jacobi zuckt mit den Schultern. "Das versuchen wir schon seit Jahren herauszufinden. Vielleicht schaffen es die Eltern zeitlich nicht mehr, ihre Kinder jeden Freitagabend zwischen 18 und 20 Uhr zum wöchentlichen Treff im Pfadfinderheim an der Robert-Mugabe-Avenue zu fahren, vielleicht machen viele Familien am Wochenende lieber eigene Ausflüge mit ihren Kindern." Dabei gehe es bei den Pfadfindern vielmehr um Tugenden und Fertigkeiten, die ein Jugendlicher im Familienverband, in der Schule oder mit seinen Geschwistern und Freunden nicht unbedingt lernt. "Das reicht von praktischen Dingen wie Lageraufschlagen, Karten- und Fährtenlesen, Sternenkunde, Knotenbinden bis Sozialkompetenzen wie Hilfsbereitschaft, Organisationsfähigkeit und der Übernahme von Verantwortung", erklärt Jakobi. Die zehn Pfadfinderregeln geben ihm Recht. Nach ihnen muss jeder Pfadfinder treu, entschlossen, aufrecht, gerecht, ordentlich, fleißig, hilfsbereit und naturliebend sein. Beherrscht er diese, wird er nach einem Jahr bei einem traditionellen Thing an einem großen Lagerfeuer vereidigt. "Das war dann ein Anlass, für den wir meistens mit allen Pfadfindern rausgefahren sind", erinnert sich Astrid Jacobi.
Von den 32 Vereinen, die dem Deutschen Kulturrat (DKR) angehören, seien die Pfadfinder der einzige, der sich an die Jugend adressiere. Klaus Jacobi ist stellvertretender Vorsitzende des überparteilichen Rates, hält jede politische Tendenz - wie er selbst stark betont - von seinen Pfadfinder fern. "Die einzige Voraussetzung, um den Pfadfindern beitreten zu können, ist dass der Jugendliche Deutsch spricht. Mehr nicht. Ich bin kein Politiker und die Kinder sind es auch nicht", sagt der Horstführer. Seit Präsident Sam Nujoma im Jahre 2003 per Dekret eine Kranzniederlegung der Pfadfinder an den Soldatenkriegsgräbern der Kaiserlichen Schutztruppe am Waterberg verboten hatte, sei Jakobi nie wieder mit einer Gruppe dort gewesen. "Wenn die Regierung denkt, dass dies aus politischen Motivation heraus geschehe, dann lassen wir es eben sein". Er war auch Derjenige der sich vor neun Jahren für die Änderung der Uniform-Hüte einsetzte. Trugen die Pfadfinder bis dato beige Hüte mit Südwester-Kokade, stand der gebürtige Namibier und ehemalige Staatsangestellte beim Dachverband dafür ein, die traditionelle Kopfbedeckung wegen ihrer politischen Konnotierung abzulegen. "Seitdem tragen meine Pfadfinder blaue Käppis, was auch viel Praktischer ist", so Jacobi. Auf die lange Tradition blicke man neben aller Vorwärtsgewandheit aber auch mit Stolz zurück. 1928 war der "Bund deutscher Pfadfinder Südwestafrikas" im Mandatsgebiet des Völkerbundes Südwestafrika gegründet worden. 1937 schrieb Heinz Anton Klein-Werner quasi als Zeichen der Konsolidierung der Organisation das "Südwesterlied" für die Pfadfinder. Es wurde die inoffizielle Landeshymne der deutschen Siedler. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde die Pfadfinderarbeit verboten. Erst in den Sechziger Jahren sollte sich der "Deutsche Pfadfinderbund Südwestafrika" erneut wieder zusammenschließen. Nach der Unabhängigkeit Namibias benannte sich der Bund in "Deutscher Pfadfinderbund Namibia" um. 1972 wurde das heutige Quartier der Pfadfinder an der Robert-Mugabe-Avenue gegenüber der Centaurus Schule errichtet, 1992 wurde der Grundstein für den heute stadtbekannten Turm des Vereinsheimes gelegt. Jedes Jahr laden die Windhoeker Pfadfinder hier zu ihren drei wichtigsten Festen - dem Frühschoppen, dem Schlachtfest und einem Sundowner, zu dem sich zahlreiche Mitglieder, Freunde und Unterstützer mit Kuchen- und Geldspenden einfinden. "Wir finanzieren uns ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge", so Jacobi. Für sich selbst, hofft der Familienvater, noch viele Jahre weiter aktiv sein zu können. Getreu dem alten Pfadfinder-Motto: Allzeit bereit.

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19-Mar-2010-08:43

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