
Lichtmessungen beim Dreh: Die Kamera-Leute Felix Novo De Oliveira (l.) und Mathias Prause in der Namib
„Oberflächlich betrachtet wirkt Namibia wie Afrika in seiner zivilisiertesten Form. Aber ist trotz seiner grandiosen Pracht eine endlose Grauzone. Es pendelt zwischen Tradition und Moderne, zwischen Viehzucht auf dem Land und Verslumung in der Stadt, zwischen Kolonialisierung, Landreform und Mindesteinkommen für jedermann, zwischen Sozialismus und eiskalt berechneter Marktwirtschaft“, so Tino Schwanemann kritisch.

Film ab für die interessierten ersten Zuschauer: Tino Schwanemann zeigt den Kindern in Katutura die ersten abgedrehten Szenen.
Mit seiner Doku „Africa Light“, die dank großer deutscher Sponsoren wie Karstadt und Air Berlin in diesem Jahr die europäischen und afrikanischen Filmfestivals bespielen soll, will der Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg auch die Grauzonen des Landes – abseits von den Besucher-Trampelpfaden – mit Licht füllen. Touristen, Busreisende, Safari-Gruppen ermutigen, beide Augen zu öffnen, die endlosen Weiten, aber auch die Alltagskonflikte der Menschen aus der Nähe zu sehen. Die Wüste erleben, aber auch ein Blick auf die zahllosen Autowracks zu werfen, die wie Zivilisationsreste in den Sandverwehungen untergehen.

Ohne viel technisches Tamtam oder Regie-Anweisung filmte die Kamera das Alltagsleben der Buschleute
Einen luxuriösen Eisenbahntrip machen, aber auch die vielen Gleise bemerken, die lange stillgelegt sind und im Nichts enden. Sonnen- und Schattenseiten. Drei Monate zog Schwanemann mit seiner Crew und ihrem liebgewonnen Reise-Guide Dijongo Zaire durch das Land. Von Lüderitz nach Swakopmund. Von Swakopmund weiter in den Norden nach Etosha, bis zu den Siedlungen der Buschleute. Tino Schwanemann mit seinen Kameramännern Felix Novo De Oliveira, Mathias Prause und drei weiteren Team-Mitgliedern unterwegs mit Hunderten von Kilo schwerem Equipment. Die Kamera immer am Puls des Geschehens.

Ein unzertrennliches Team: Tino Schwanemann (Mitte) und seine Kameraleute Felix Novo De Oliveira (l.) und Mathias Prause.
Musikalisch untermalt vom Babelsberger Film-Orchester: Alltagsszenen aus den Siedlungen der Buschleute, aus den Blechhütten von Katutura, von der Straße – für den Berliner Regisseur machen gerade sie neben all den atemberaubenden Kamerafahrten über die Namib-Dünen den Unterschied. „Die schönen Bilder von Tieren und Landschaft, die wir beim Blättern von Touristik-Katalogen sehen, sind eben nur die halbe Wahrheit. Vielleicht kann unser Film Reisende ermutigen, genauer hinzuschauen und auch die Schattenseiten des Landes zu erfahren“, so Schwanemann.

Das offizielle Film-Plakat
Ebenso wie er, der während der monatelangen Dreharbeiten das ein oder andere Tal durchwanderte. „Als wir im Norden wegen der erhöhten Malaria-Gefahr Profilaxe nehmen mussten, gingen es vielen aus dem Team wegen der Nebenwirkungen sehr schlecht. Da war es schwer wieder Zug in die Dreharbeiten zu kriegen“, erinnert sich der Filmemacher. Ein schlechtes Namibia-Bild will Tino Schwanemann allerdings auf keinen Fall zeichnen.

Unterwegs in Katutura: Tino Schwanemann (l.) gibt Regieanweisungen
„Namibia ist faszinierend und wir werden uns immer an die Zeit dort erinnern. Wichtig ist nur zu zeigen, dass unser ideales Urlaubsbild eben nicht der einzige Standpunkt ist.“ In den nächsten Monaten wird er mit „Africa Light – Gray Zone“ auf weltweite Tour über die Filmfestivals sein. Eine Doku, die nicht beschönigt, berührt und ohne Effekte Geschichten erzählt – vielleicht ist sie sogar der beste Tourismus-Werbespot, den ein Land sich Wünschen kann.