
Auf eine authentische Umgebung wird besonders geachtet.
Für die Mafwe ist das neue Museum am Kwando-Fluss ein zusätzlicher Arbeitsplatz: Erreicht eine Touristengruppe das kleine, auf einem Hügel gelegene Dorf etwa zwanzig Kilometer nördlich von Kongola, dann beginnt ihre Dienstszeit. Ein Rezeptionsangestellter empfängt die Gäste, präsentiert ihnen das Programm und verständigt umgehend die Akteure. Sicherlich könnte er zu diesem Zweck sein Handy benutzen – ganz stilecht wäre es allerdings nicht: Im „Lebenden Museum“ schlägt der Empfangschef noch die Trommel, ganz wie in alten Zeiten.
Wenig später stehen sie bereit, etwa zwanzig Mafwe aus der näheren Umgebung: Handwerker, Musiker, Instrumentenbauer, Kinder oder Fischer – sie alle wollen zeigen, wie das Leben an den Ufern des Kwando einmal ausgesehen hat. Es wird getanzt, geschmiedet, gesungen oder geflochten – alles in traditioneller Kleidung, in absolut authentischem Umfeld. „Wir wollen den Menschen Afrika zeigen, wie es einmal war“, sagt Werner Pfeifer von der „Living Culture Foundation“. Vor einigen Jahren hat der Verein auch das „Lebende Museum“ im Buschmannland initiiert. „Jedes Detail muss stimmen, da machen wir keine Kompromisse.“
Bei allem Hang zum Authentischen: Zurück in die Steinzeit wollen die Organisatoren niemanden schicken. Arbeiten die Mafwe gerade nicht in ihrem Museumsdorf, gehen sie ihren normalen Beschäftigungen nach. „Die meisten leben vom Ackerbau“, sagt Pfeifer, „von der Fischerei oder von der Rinderzucht.“ Obwohl sich die Mafwe weniger weit von ihren Traditionen entfernt haben als manch andere namibische Volksgruppe, gibt es auch für sie keine Rückkehr in die Vergangenheit: „Sie träumen von moderner Kleidung, von einem Radio, von einem Auto.“
Dass das neue Museum als potentielle Einnahmequelle die Modernisierung des Stammes noch beschleunigen könnte, diese Sorge teilt Pfeifer nicht. „Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten“, sagt der 43-jährige Reise-Veranstalter, „sie wollen ja modern werden“. Im Gegenteil könne das neue Museum uralte Traditionen zum Leben erwecken - Traditionen, an die sich oft nur noch die Stammesältesten erinnern. „Bei der Eröffnungsfeier waren vor allem die Jüngeren unter den Mafwe vollkommen begeistert“, sagt Pfeifer. „Das hat mir wieder einmal gezeigt, dass es gut ist, was wir machen. Das Museum fungiert schließlich auch als Bildungseinrichtung, als Ergänzung zu den örtlichen Schulen.“
Obwohl die Mafwe das traditionelle Dorf in Eigenregie aufgebaut haben und den Museumsbetrieb eigenverantwortlich leiten: Regelmäßige Besuche in der Caprivi-Region hält der Windhoeker für unabdingbar. „Wir beraten die Mafwe schon“, sagt Pfeifer, „natürlich immer auf Augenhöhe. Die meisten von ihnen waren ja noch nie in der Situation, dass sie einen Betrieb leiten mussten.“
Finanzielle Unterstützung bekommt der Stamm nicht – das ist das oberste Grundprinzip der ehrenamtlich arbeitenden „Living Culture Foundation“: „Wir geben ihnen kein Geld“, betont Pfleifer. „Dann hängen sie mehr an dem Museum. Sie müssen dafür schwitzen und haben nicht das Gefühl, dass es ein Geschenk ist.“
Informationen unter www.lcfn.info