
Beim Videodreh in der vergangenen Woche sitzt EeS am Rand und hält kurz inne – eine für ihn recht ungewohnte Pose.
Das war wohl ein Programm, so schnell und energievoll wie seine Kwaito-Musik: Innerhalb von acht Tagen wurden drei Musikvideos abgedreht, sagt EeS im AZ-Interview, dessen Künstlerbezeichnung eine Mischung aus seinem bürgerlichen Namen Eric Sell plus ein – natürlich ganz lockeres – eesy in der Mitte ist. Neben den drei Videos hatte er auch noch drei Shows zu absolvieren, etwas im Rahmen des „World Music Days“ auf der Bühne im Zoopark oder beim „Küska“ in Swakopmund. Mittlerweile habe er eine richtige Band für Auftritte, sieben Leute, die spielen dann am Saxophon und den Drums, das mache den Sound um einiges fetter, schwärmt EeS.
Straffes Programm, doch der Kwaito-Rapper strotzt vor Energie: „Jong, das war lekker“, beschwört der 25-Jährige, der zwar seit fast fünf Jahren in Köln für Fernsehproduktionen als Tontechniker arbeitet, doch sein „Wellblech-Deutsch“ nach wie vor in Perfektion beherrscht. Es ist ja auch Teil seines Kapitals, schließlich rappt EeS teilweise im Nam-Slang, der Mischung zwischen Deutsch, Afrikaans und Englisch. „Aber in Köln bekomme ich mit, wie anders unser Deutsch doch ist“, gibt EeS zu.
Auf ein Video scheint er besonders stolz zu sein. „U my Lady“ mit PDK, drei weiteren Jungs, die mit ihm rappen, und es sei ein Kwaito-Lovesong geworden, der seiner Freundin Allessia gewidmet sei, die mit ihm in Deutschland wohne. Die beiden sind bereits seit acht Jahren zusammen, „wahrscheinlich müssen wir bald heiraten“, sagt EeS und lacht dabei. Regisseur des Videos war der namibische Regisseur Tim Huebschle, der erst kürzlich beim Windhoek International Filmfestival für Aufsehen mit seinem Kurzfilm „Rider without a horse“ sorgte. Darin wird am Jahrestag der Unabhängigkeit der Reiter der gleichnamigen Statue plötzlich lebendig und muss sich mit einem völlig veränderten Namibia auseinandersetzen. Die beiden weiteren Videos hat er zu den Songs „Alles Beste“ und „Magic in the dirt“ gedreht – in Wellbechhütten in Katutura, auf Bergen bei Sonnenuntergang, in den Dünen bei Swakopmund. Alle sind auf seinem achten Studio-Album vereint, „Awee`!“, erschien bereits im vergangenen Dezember.
Zu sehen sind die Videos bei MTV Africa, in Europa etwa beim Satelliten-Musikvideosender „Yavido“ und natürlich auf EeS Seite beim Internet-Videoportal youtube – doch bei den großen Major-Radiostationen und Fernsehsendern in Europa beißt EeS noch auf Granit. Doch er arbeitet daran und hofft auf den Durchbruch. „Ich stelle fest, dass es ein großes Bedürfnis für afrikanische Musik in Europa gibt“, sagt EeS. Und seine Musik sei ja auch das Beste aus beiden Kontinenten – eben eine Mischung aus Hip Hop und House, trotzdem basierend auf traditionellen afrikanischen Rhythmen. Und mit einem Nam-Slang aus Deutsch und Englisch.
„Yes – Ja“, heißt es deshalb in vielen seiner Songs, und die Auftritte in Deutschland führen ihn in Clubs und Musikfeste in Berlin, Hamburg oder Frankfurt am Main. Im Sommer tritt er etwa im Rahmen der IAAF-Leichtathletik-WM in Berlin am Brandenburger Tor auf, zusammen mit dem hiesigen Kwaito-Star Gazza. Und im kommenden Jahr steht ja die Fußball-WM an, da gebe es sicher ein riesiges Bedürfnis in Europa nach frischer, afrikanischer Musik – möglichst traditionell, aber trotzdem gut verdaulich. „Bald wird Kwaito den Durchbruch geschafft haben“, gibt sich EeS deshalb sicher, und wenn man ihm zuhört, glaubt man, er wird die Bewegung mit dem neuen Exportgut Kwaito aus Namibia. Yes – ja, keine Frage!
Köln sei seine zweite Heimat, sagt EeS, obwohl er meist gar keine Zeit finde, sich mal so richtig einzuleben. Die Stadt sei voller netter Leute, klar, aber er sei in der nordrhein-westfälischen Metropole viel beschäftigt. Tontechniker für TV-Serien, Studioaufnahmen, Auftritte, eine Wohngemeinschaft mit anderen Deutsch-Namibiern, seine Freundin. „Da bleibt nicht mehr viel Zeit zum Feiern.“
Namibia, daran würden aber Herz und Seele hängen, und natürlich will er wieder zurückkommen, irgendwann, spätestens mit der Familie. „Und mit den Kumpels rumhängen, das gibt mir auch viel.“ Er sei oft, aber meist nicht lange im Land – trotzdem nehme er einen Koffer voller Inspiration mit nach Köln, der reiche dann für die folgenden Monate und neue musikalische Entwürfe.
Auf den nächsten Besuch von EeS in Namibia müssen sich seine Fans und Freunde allerdings noch etwas gedulden. Im Oktober wird er wieder in Namibia auftreten, bei einer Show im Independence-Stadion. Aber bis dahin gibt`s ja auch erstmal die neuen Videos zu sehen.