Es juckt einem förmlich in den Fingern, das neue Unabhängigkeitsmuseum auf dem Windhoeker Regierungshügel schon jetzt in Grund und Boden zu schreiben, bevor überhaupt detaillierte Informationen oder ein Modell veröffentlicht sind. Vielleicht wird es ja, so die Hoffnung, gar nicht so schlecht. Die Tatsache, dass das zuständige Ministerium für Öffentliche Arbeiten die Pläne bis jetzt geheim hält, und die ersten durchgesickerten Informationen lassen diese Hoffnung jedoch eher als realitätsferne Träumerei erscheinen. Modern soll es sein, dreieckig, fünfstöckig, bis zu 18 Meter hoch, mit Tiefgarage und viel Glas versehen. Das klingt nach einem unpassenden, fremd wirkenden Klotz zwischen Alter Feste und Christuskirche inmitten eines historischen, ja vielleicht des schönsten Platzes von Windhoek. Des NOCH schönsten Platzes.
Doch nicht nur das Aussehen des neuen Museums treibt einem Sorgenfalten auf die Stirn, auch sein Innenleben. Was soll da überhaupt ausgestellt werden? Wenn das bestehende Nationalmuseum derzeit aus allen Nähten platzen würde und man nicht mehr wüsste wohin mit den vielen Exponaten, dann würde unsereiner die Notwendigkeit neuer Ausstellungsflächen ja verstehen. Die Realität sieht aber leider anders aus.
Das wohl nicht genügend Exponate da sind, die den eigentlichen Unabhängigkeitskampf Namibias verdeutlichen, zeigt schon allein eine Aussage der Nationalmuseumsleiterin Esther Moombolah-/Goagoses. Danach thematisiert die als „Independent Memorial Museum“ titulierte Einrichtung bei weitem nicht nur die Unabhängigkeit, sondern beginnt bereits mit den frühen Besiedlungen. Der Weg in die Unabhängigkeit wird also ziemlich weit gefasst. Zu weit.
Bleibt zu hoffen, dass da mal nicht in dem neuen Museum eine überlebensgroße, bis unters Dach reichende Statue von „Papa“ Sam Nujoma und eine einseitige Huldigung seiner Person geplant ist. Eine weitere Hoffnung, die – je länger man darüber nachdenkt – vielleicht auch eher eine realitätsferne Träumerei ist. Ein Sam-Nujoma-Gedächtnismuseum, das wichtige, aber eben kritische Episoden wie zum Beispiel die der SWAPO-Dissidenten, die in unterirdischen Erdlöchern ausharren und sterben mussten, vorenthält, wäre ein wahrer Alptraum!