Der hoch gesteckte Ovaherero-Gipfel am vergangenen Wochenende in Okahandja hat einige Klischees vertieft und insgesamt keine neuen Positionen geschaffen. Immerhin haben die anwesenden Ovaherero-Chefs und der so genannte Genozid-Rat der Ovaherero/Ovambanderu den Beschluss gefasst, den formalen Dialog mit der Deutschland/den Bundesdeutschen weitere fünf Jahre fortzusetzen, auch wenn die bisherigen fünf Jahre über Dialogansätze hinaus für die Herero-Seite nichts erbracht haben. Eine Sonderkraft, die die Bundesregierung just zur Beförderung des bilateral bekräftigten Dialogs eingesetzt hatte, ist schon längst und ohne Ersatz wieder abgereist.
Zwei Positionen stehen sich diametral gegenüber. Die deutsche Regierung hatte mit der Geste der gezielten Entwicklungsinitiative, die die damalige Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bei ihrem Versöhnungsauftritt zum 100-jährigen Gedenken der Schlacht am Waterberg und des Kolonialkriegs 2004 für Nachfahren des Krieges angekündigt hatte, eine Geste der Wiedergutmachung angeboten. Die Sonderinitiative wird inzwischen umgesetzt, wenn auch mit Schwierigkeiten und Hindernissen. Indessen hat jedoch kein Ovaherero-Führer, ganz gleich aus welchem Lager der zerstrittenen Fraktionen zwischen Chef Riruako und den anderen Gruppen, die jetzt in Okahandja getagt haben, die Initiative als das akzeptiert, wozu sie gemeint ist, nämlich eine Geste zur versöhnlichen Aufarbeitung und Versöhnung. Denn in einem sind sich der Okahandja-Gipfel genauso wie der dort abwesende Chef Riruako einig: die Verhandlung über eigentliche Reparation und Wiedergutmachung für die Opfer und Kriegsschäden von 1904 bis 1907 habe noch gar nicht stattgefunden. Bisher hat die SWAPO-Regierung diese Ansicht verbal unterstützt, ohne irgendwelche anderen Vorstöße zu unternehmen, als ob man die Ovaherero zunächst nur bei guter Laune halten wolle.
Es scheint ausgeschlossen, dass die chronisch gestellte Reparationsforderung auch nur ansatzweise über die Sonderinitiative der Wieczorek-Zeul hinaus erfüllt werden könnte.
Es mag eine Frage der Zeit, beziehungsweise der Generationen sein, bis künstlich und chronisch geschürte, aber völlig aussichtslose Erwartungen eines natürlichen Todes sterben.