Es ist ein trauriges Merkmal etlicher Minister und Sprecher der regierenden Partei, dass sie meinen, dem Volk Schwachsinn und dreiste Dummheit aufbinden zu müssen. Manchmal, wie am Donnerstagabend bei der Unterzeichnung der Pachtverträge für den überfällig privatisierten Betrieb mehrerer staatlicher Rastlager und angegliederter Tankstellen, scheint das Feilhalten von Dummheiten auch der rhetorischen Bereicherung zu dienen, in diesem Falle feilgeboten von Netumbo Nandi-Ndaitwah, die neue Ministerin für Umwelt und Tourismus.
Nandi-Ndaitwah, zuvor zuständig für Information und Rundfunk, verbreitet 18 Jahre nach der Unabhängigkeit immer noch „Struggle“-Propaganda, die aus der Ionosphären-Forschungsstation zwischen Tsumeb und dem Otjikoto-See eine Raktenbasis der Südafrikaner machte und die nun – man höre und staune – aus dem Munde der Ministerin die Ignoranz noch einmal auf die Spitze treibt. Okaukuejo, Halali und Namutoni, so Nandi-Ndaitwah, seien nicht für touristische Zwecke sondern aus militärischen Gründen und für den Naturschutz gebaut worden.
Aus Unterwürfigkeit, falschem Respekt vor Parteioberen und vor Ministern bleiben undifferenzierte Dummheiten viel zu häufig unwidersprochen und nicht korrigiert stehen. Diesmal nicht. Im Falle von Okaukuejo und Namutoni ist durch Ausbau durch die südafrikanische Administration in den fünfziger und sechziger Jahren das heutige Bauprofil entstanden. Sie hat ein paar Ruinen geräumt oder integriert, die von den deutschen Militär- und Polizeiposten übrig geblieben waren. Das Hauptaugenmerk galt kontinuierlich dem Naturschutz und dem Tourismus, weil diese für eine Parkverwaltung logischerweise zusammengehören, was die Ministerin scheinbar nicht begreift. Das dritte Rastlager Halali ist wegen des Bedarfs an Unterkünften mit dem wachsenden Besucherverkehr genau wie die ersten Beiden und wie jetzt das vierte angestrebte Rastlager Onkoshi entstanden, um dem Fremdenverkehr zu dienen, nichts weiter. Dass vor über hundert Jahren, vor Ausrufung des Etoscha-Nationalparks als Wildschutzgebiet durch Gouverneur Von Lindequist, in Okaukuejo und Namutoni je ein Militärposten errichtet war, ist von historischem Interesse wie die Alte Feste in Windhoek und die Kaserne in Swakopmund und erhöht das Lokalkolorit, derweil Halali wie Onkoshi völlig künstliche Zweckgründungen sind, um das Bettenangebot zu steigern und den Besucherverkehr über den großen Park zu verstreuen, um die älteren Rastlager von unnötigem Druck an Fahrzeugen und Besuchern zu erleichtern. Der ausschlaggebende Ausbau von Okaukuejo sowie die Restaurierung von Fort Namutoni bis 1958 dienten allein dem Fremdenverkehr und waren seither von keiner militärischen Bedeutung. Sie hatten nichts mit der Kette der Militärbasen entlang der Nordgrenze zu tun.
Die Pflege der Parteimythen wird dreister. Wir hören nicht auf, darauf aufmerksam zu machen.