Mit der heutigen Ausgabe beenden wir die Debatte auf den Leserbrief-Seiten zum Thema Willkür bei der Festlegung der Aufenthaltsdauer von Namibia-Besuchern. Nicht weil wir meinen, dass sich dieses Thema erledigt hat. Auch nicht, weil manche Vertreter der Reisebranche annehmen, wenn die Berichterstattung aufhört, könne Schaden vom Tourismus abgewendet werden. Oder weil einige AZ-Leser in ihrer Selbstzufriedenheit des Themas überdrüssig sind. Nein, wir beenden die Debatte, weil es momentan keinen neuen Aspekt in dieser Angelegenheit gibt.
Um es klar zu sagen: Das Innenministerium ist für die Erteilung der Aufenthaltsgenehmigung und für die daraus entstandene Konfusion verantwortlich. Und nur diese Behörde kann auch eine Änderung herbeiführen. Die AZ-Leser dürfen sich indes sicher sein: Wir sind uns der Sensibilität und der Tragweite dieses Themas bewusst. Das Innenministerium leider nicht. Und auch die AZ gehört zu den Verlierern, sollten (dadurch) weniger Touristen ins Land kommen. Aber ist das ein Grund, Missstände zu verschweigen? Nein! Es ist eine Aufgabe der Medien, die Öffentlichkeit über Missstände in der Gesellschaft zu informieren. Dies fördert die Auseinandersetzung mit diesem Thema – und führt im besten Fall (durch Druck der Öffentlichkeit) zur Änderung des Sachverhaltes.
Machen wir uns nichts vor: Jeder Tourist, der nach Namibia kommt, bringt uns freiwillig sein Geld. Und knüpft verständlicherweise auch gewisse Erwartungen an diesen Besuch. Neben atemberaubender Landschaft und Tierwelt sowie Freiheit und Abenteuer erwartet der Gast eine Top-Dienstleistung. Dafür bezahlt er. Kein Besucher darf deshalb als Bittsteller behandelt werden – nicht von Unternehmen und auch nicht von Behörden. Der Tourismus sichert und schafft Arbeitsplätze, hält die Ökonomie auf Trab, bringt Devisen und prägt den Ruf des Landes. Das alles wird zwar in etlichen (Sonntags-)Reden auch von Politikern stets betont, doch in den Köpfen angekommen ist es offenbar noch nicht überall.
Wir bleiben dabei: Das, was an den Einreiseschaltern passiert, ist Willkür. Es gibt keine rechtliche Grundlage dafür und entbehrt überdies jeder Logik und Vernunft. Der Verweis auf Einzelfälle, die Vorwürfe an (übersensible) Touristen, der Vergleich mit anderen Ländern und die gewünschte Selbstzensur der Medien sind dabei fehl am Platz. Durch Wegsehen, Schweigen und Ablenken werden keine Probleme gelöst. Man sollte sich stattdessen darauf konzentrieren, etwas zu ändern.
Zunächst sind natürlich die Verbände und Organisationen als Sprachrohr und Lobbyisten der Reisebranche in der Pflicht. Wenn deren Sorgen vom Innenministerium ignoriert werden, dann lohnt es sich, beim Tourismusministerium vorstellig zu werden. Oder beim Premierminister. Denn hier geht es um ein Thema mit weitreichenden Folgen für uns alle. Und deshalb wird die AZ sehr genau beobachten, wie sich die Sache weiter entwickelt.