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Regen in Namibia

 

Vom  6.02.2012

Wer wird hier gemolken?

Die namibischen Milchproduzenten beschweren sich mit Recht, dass sie gegen eine subventionierte Konkurrenz aus dem Ausland antreten müssen. Es ist schon seit Jahren sehr schwer, hierzulande als Milchfarmer seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Es ist auch für den normalen Fleischproduzenten schwer, Milch für den Eigengebrauch zu produzieren, da Arbeiter die die Kühe melken sowie Überstunden und Sonntagsarbeit doppelt bezahlt werden müssen. Zudem muss die als Ration ausgegebene Milch versteuert werden. Die meisten Farmer haben deshalb die Produktion von Milch, Sahne und Butter für den Eigenbedarf aufgegeben – zum Nachteil für Familie und Angestellte. Es ist eben billiger, Milch und Milchprodukte in der Stadt zu kaufen.

Die Milchproduzenten haben nicht nur mit strengen Hygieneauflagen zu kämpfen, sondern mit hohen Löhnen sowie Futter- und Transportpreisen. Hinzu kommen die Bestimmungen, dass in Namibia keine Hormone und Antibiotika sowie produktionsfördernde Mittel erlaubt sind. Ein Liter frische Milch in Namibia ist teuer. Der Verbraucher schaut in erster Linie auf den Preis – und kauft deshalb haltbare Produkte (H-Milch) aus Südafrika, Europa und selbst Uruguay, während hiesige Milch im Regal stehen bleibt. Dabei sind viele ausländische Produkte „belastet“, da dort nicht so strenge Regeln gelten wie hier. Beim Preis ist dies jedoch anscheinend egal. Wer wird nun gemolken: der Verbraucher oder der Produzent oder gar Beide?

Lange Zeit wurde die hiesige Milchindustrie teils mit Steuern für Importprodukte zugunsten von neuen, sich im Aufbau befindlichen Industrien geschützt. Dieser befristete Schutz ist nun ausgelaufen. Jetzt fordern die Milchfarmer, dass die Regierung andere Maßnahmen ergreift, um die meist subventionierte Ware aus dem Ausland dem hiesigen Preisniveau anzupassen. Dies ist teils gerechtfertigt, da die Milchindustrie wichtige Arbeitsplätze schafft und dafür sorgt, dass ausländische Produkte nicht zu horrenden Preisen angeboten werden. Aber nur mit Einfuhrsteuern ist das Gleichgewicht nicht herzustellen. Die Regierung sollte die Arbeitsgesetze nochmals überdenken und die Milchproduktion vor allem in ländlichen Gebieten fördern. Noch in den 70er Jahren standen an unzähligen Eisenbahnstationen die Milchkanister die von den vorbeifahrenden Bahnangestellten eingesammelt und an die Zentrale in Windhoek oder an Sammelstellen in Orten gebracht wurden. Die Farmer hatten in dieser Zeit nicht nur Milch für den Eigenbedarf, sondern ein zusätzliches kleines Einkommen. Darf solch eine Nahrungsmittelproduktion und Einkommen wegen Bürokratie und Kosten eingestellt werden?

Es haben bereits schon zu viele Milchbetriebe in den vergangenen Jahren die Türen geschlossen. Neben der Milchproduktion sollte die Futterproduktion ebenfalls gefördert werden, denn diese Kosten werden auch auf den Verbraucher abgewälzt. Melken ist manchmal doch sehr einfach.
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