Morgan Tsvangirai hat sich viel Zeit gelassen für seine Entscheidung: Am Samstag verkündete der simbabwische Oppositionschef endlich, dass er sich einer Stichwahl mit Amtsinhaber Robert Mugabe stellen werde. Damit hat er dem 84-jährigen Staatschef zumindest fürs Erste den Triumph versagt, kampflos auf seinem Posten bleiben zu können. Und er hat sich der Verantwortung gegenüber seinem Volk gestellt, das hoffnungsvoll für ihn und damit für den Wechsel nach 28 Jahren Mugabe-Regime inklusive Unterdrückung, Staatsterror und wirtschaftlichen Untergang gestimmt hat.
Und nun? Wird nun endlich gut, was lange währte? Wohl kaum. Zwar hat Tsvangirai mit seiner Entscheidung eine von vielen offenen Fragen hinsichtlich der Zukunft Simbabwes beantwortet, trotzdem wäre die Hoffnung auf einen baldigen Wechsel an der Staatsspitze wohl vermessen, spielt sich doch im einstigen Brotkorb Afrikas eine wahre Schmierenkomödie ab, deren letzter, entscheidender Akt erst noch geschrieben werden muss. Nach wie vor ist nämlich unklar, wann die beiden Kontrahenten zum Duell antreten werden. Eigentlich wäre der Stichtag der 23. Mai, drei Wochen nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses – doch in Simbabwe ist Gesetzespapier eben geduldig. Die Wahlkommission hat schon verlauten lassen, dass die Vorbereitung eines erneuten Urnengangs ein Jahr in Anspruch nehmen könnte. Stillstand ist also vorprogrammiert. Für die Bevölkerung wäre dies ein weiteres Jahr in Not und Elend sowie voller Übergriffe von Mugabe-gesteuerten Milizen. Die Situation könnte sich im Vorfeld einer Wahl sogar noch verschlimmern, noch mehr vermeintliche oder tatsächliche Oppositionsanhänger und -politiker könnten Vertreibungen, Übergriffen oder gar dem Tod ausgesetzt sein.
Aber auch die Parteien selbst sind verantwortlich für den Stillstand: ZANU (PF) und MDC sind – zumindest im Fall der Opposition für viele unverständlich - gegen die Sitzverteilung von der Hälfte des Abgeordnetenhauses vor Gericht gezogen. Sechs Monate können sich die Richter Zeit lassen für eine Entscheidung über eine mögliche Neuauszählung. Bis die beginnt oder gar abgeschlossen ist, werden weitere Wochen vergehen – und wahrscheinlich werden die ursprünglichen Resultate am Ende doch, wie bei der ersten Neuauszählung vor wenigen Wochen, bestätigt.
Simbabwe droht nach wie vor der Absturz ins Bodenlose. Trotz Tsvangirais – für viele zu spät kommenden – Entscheidung, sich der Stichwahl zu stellen, scheint die Opposition derzeit noch keinen wirklichen Durchblick, vielleicht sogar noch keine Staatsführungsqualitäten zu haben. Ihr Vorgehen erscheint teils unkoordiniert und unüberlegt. Bleibt zu hoffen, dass aus der Schmierenkomödie am Ende keine Tragödie wird, aus der Mugabe – durch Tricks oder Fehler der Opposition – unter den Augen der untätigen Komparsen aus der SADC als großer Gewinner und das Volk als Verlierer hervorgeht.