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Regen in Namibia

 

Vom 30.08.2010

Stoff aus Hollywood

Am Ufer des Oranje soll eine Filmstadt entstehen. Mit einer biblischen Szenerie sowie einer Wild-West-Cowboy-Stadt. Permanente Kulissen, die Filmproduzenten aus Namibia, aus Afrika und sogar aus Hollywood anlocken sollen, die, so sagen Branchenvertreter, lieber solch eine Infrastruktur mieten, als sie stets neu zu errichten und nach Drehschluss wieder abzureißen. Sieben solcher Standorte bzw. Filmstädte plant die Firma Desert Star Studios and Motion Picture Resorts, dazu die nötige Infrastruktur, also Flughafen, Gleisanschluss, Unterkünfte, Golfplatz sowie Möglichkeiten für Einkauf, Gastronomie und medizinische Betreuung. Namibia auf dem Weg zum afrikanischen Mekka für Hollywood? Eine Vision – aber erste Schritte in diese Richtung sind bereits gemacht worden.

Mal ehrlich: Die Pläne selbst klingen wie der Stoff aus Hollywood. Aber das liegt sicher daran, dass sich bis jetzt noch nie jemand ernsthaft mit einem Projekt dieser Dimension beschäftigt hat. In Marokko funktioniert dieses Konzept gut, wie weltbekannte Produktionen (u.a. „Gladiator“, „Scorpion King“, „Troja“) beweisen, die dort gedreht wurden. Namibia soll diesem „Hollywood von Afrika“ nun den Rang ablaufen – oder zumindest eine Alternative bieten.

Als Voraussetzung bringen wir eine einmalige und vielseitige Landschaft mit, die Touristen, Fotografen und Filmemacher seit jeher fasziniert. Der günstige Wechselkurs, das niedrige Lohnniveau, die für Afrika erstklassige Infrastruktur, die stabilen politischen Verhältnisse sowie der hohe Standard und die Leistungsfähigkeit der hiesigen Ökonomie sind weitere Standortvorteile, die für ein solches Projekt sprechen. Nicht zuletzt ist das Wüstenland für Hollywood längst kein weißer Fleck mehr auf der Landkarte, seit Angelina Jolie, Brad Pitt und Dennis Quaid zuletzt hier gedreht oder sich in Namibia aufgehalten und das Land sowie die Bedingungen in höchsten Tönen gelobt haben.

Eine natürliche Skepsis ist angebracht. Denn wir haben schon viele wortreiche Versprechungen gehört, toll bebilderte Broschüren gesehen – und die Kassen in unserer Vorstellung klingeln hören. Viel zu oft sind angekündigte Großprojekte allerdings nichts anderes als Luftschlösser geblieben. Bei dem aktuellen Vorhaben werden die benötigten Finanzen, die Beteiligung der lokalen (Film-)Industrie sowie der verträgliche Umgang mit der Umwelt zu den Kernfragen gehören, die das Projekt zum Durchbruch verhelfen oder als Flop verpuffen lassen. Immerhin hat Desert Star seine Hausaufgaben gemacht, was (politische) Lobbyarbeit angeht. Das lässt darauf hoffen, dass es sich bei diesem Projekt nicht um eine Eintagsfliege handelt. Denn das Potenzial, das sich für Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Tourismus und Ansehen dieses Landes ergibt, ist verlockend.

Jedes Großprojekt beginnt mit einer Vision. Deshalb haben Desert Star und das „Hollywood Namibias“ auf jeden Fall eine Chance verdient.
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