Morgan Tsvangirai macht es spannend. Der Spitzenkandidat der simbabwischen Oppositionspartei MDC, ihres Zeichens Gewinner der Parlamentswahl von Ende März, lässt bislang offen, ob er sich einer Stichwahl um das Amt des Präsidenten stellen will. Die MDC betont, Tsvangirai sei der alleinige Sieger, eine erneute Abstimmung daher überflüssig.
Ja, der MDC-Chef hat den Urnengang vor über fünf Wochen mit knapp fünf Prozent Vorsprung vor Amtsinhaber Robert Mugabe gewonnen, die absolute Mehrheit von 50 Prozent plus einer Stimmer aber – zumindest nach offiziellen Angaben – verfehlt. Egal, wie viel Glauben man den Zahlen der staatlichen Wahlkommission schenkt, diese Konstellation macht nun einmal eine Stichwahl nötig. Dass Tsvangirai jetzt – wo er es doch tatsächlich geschafft hat, Mugabe auch in offiziellen Zählungen abzuhängen – mit einer Nicht-Teilnahme an der Stichwahl kokettiert, gleicht einem Spiel mit dem Feuer: Tritt er nicht an, bleibt Mugabe Präsident. Aller Einsatz, das Hoffen, Bangen, das Ertragen der vom Despoten gesteuerten Staatsgewalt gegen Anhänger der Opposition wären umsonst gewesen.
Sicherlich verfolgt Tsvangirai mit seinem Spiel auf Zeit hehre Motive: Er möchte die UN zur Entsendung von Wahlbeobachtern oder zur Ernennung eines Sondergesandten „zwingen“ und gleichzeitig deutlich machen, dass er der Wahlkommission und ihren Zahlen nicht glaubt. Das tun viele nicht. Trotzdem sollte sich Tsvangirai bewusst sein, welch – auch wenn es in unseren demokratischen Ohren makaber klingt - nicht zu unterschätzender Erfolg es angesichts bisheriger Erfahrungen mit Wahlfälschung im Land bereits ist, dass er mehr Stimmen als Mugabe und seine Partei mehr Parlamentssitze als die Zanu(PF) zugesprochen bekommen hat.
Vor allem aber muss Tsvangirai bedenken, dass er die Stimme des Volkes ist. Er wurde vor allem gewählt, weil die darbenden und unterdrückten Simbabwer Mugabe loswerden wollten. Sie haben ihm ihr Vertrauen geschenkt. Er hat eine Verantwortung gegenüber den Menschen, die ganz sicher alles wollen außer einer Fortsetzung der Ära Mugabe. Ein Boykott der Stichwahl von Seiten Tsvangirais wäre Verrat an ihnen – und ein später geschenkter Sieg für den eigentlich schon längst geschlagenen Mugabe.