Die Schließung der Ramatex-Fabrik in Windhoek hat deutlich gemacht, dass das malaysische Textilunternehmen sein Engagement in Namibia von Beginn an als befristetes Gastspiel angelegt hatte.
Als Ramatex 2002 hierzulande seine Produktion aufgenommen hat, war bereits deutlich, dass drei Jahre später die Textilquote der Welthandelsorganisation (WTO) auslaufen würde, die vor allem asiatische Länder daran hindern sollte, den globalen Markt mit billiger Kleidung zu überschwemmen. Ramatex war also bereits vor ihrer Fabrikeröffnung in Windhoek klar, dass es nach 2005 für die Firma keine weitere Veranlassung geben würde, im Ausland zu produzieren, weil die Exportauflagen in der Heimat dann wegfallen würden.
Für die Geschäftsführung galt es folglich nur, diesen Zeitraum zu überbrücken und Namibia bot sich dabei als Standort an, weil sie hier im Rahmen des African Growth and Opportunity Act (AGOA) zollfrei in die Vereinigten Staaten exportieren konnte. Ungeachtet dieses Privilegs muss Ramatex aber schon damals geplant haben, Namibia nach dem Fall der Textilquote zu verlassen, weil sich in Malaysia grundsätzlich billiger produzieren lässt.
Von der Hoffnung auf tausende Arbeitsplätze geblendet, hat die namibische Regierung die nahe liegende Vermutung ignoriert, dass der Aufenthalt von Ramatex von kurzer Dauer sein würde. Vielmehr hat sie den Textilproduzenten zunächst mit einem kostenlosen Grundstück geködert und dann mit Zugeständnissen wie der subventionierten Strom- und Wasserversorgung hofiert.
Und damit hat die Regierung die Schließung der Firma vielleicht sogar beschleunigt. Indem das Ministerium für Handel und Industrie dem malaysischen Betrieb nämlich ein kostenloses Grundstück zur Verfügung stellen ließ, hat es versäumt, die Firma finanziell an Namibia zu binden. Und weil Ramatex nicht gezwungen wurde, vor Betriebsbeginn in ein Grundstück zu investieren, bestand für die Firma auch kein Grund, seine Produktion solange zu verlängern, bis sich diese Investition amortisiert hat.
Das Fallbeispiel Ramatex ist damit zu einer teuren Lektion für die Regierung geworden, die rückblickend sehr naiv mit einem Unternehmen umgegangen ist, das bereits vor 2002 in anderen Ländern ähnlich agiert hat wie nun in Namibia.