Im Vorfeld zu den Regional- und Kommunalwahlen im November 2010 melden sich auch kleine Parteien wieder und demonstrieren somit, dass Namibia aus einer politisch pluralen Gesellschaft besteht. Einmal ist es die SWANU (South West Africa National Union), die auf eine lange Tradition nationalistischer Politik zurückschaut. Dass sie trotz früherer internationaler Anerkennung wieder aus dem Blickfeld verschwunden war, liegt daran, dass sie als eher pazifistische Befreiungsbewegung nicht mit Waffengewalt in den Kampf gezogen ist.
Die viel von Frieden redende internationale Gesellschaft in Ost und West hat in der Praxis eher Bewegungen unterstützt, die auch den militärischen und terroristischen Kampf verfolgt haben als jene, die sich nur über die diplomatische Front und durch Propaganda Geltung verschaffen wollten.
SWANU hat während der vorigen Regionalwahlen 2004 einen Sitz auf der Regionalebene und während der Parlamentswahlen 2009 nun auch einen Sitz in der Nationalversammlung erobert. Nachdem die Partei 14 Jahre kaum in Erscheinung getreten war und nachdem die Wahlen von 2004 genauso wie 2009 durch Inkompetenz der Wahlkommission und durch Manipulation aus der regierenden Partei gekennzeichnet waren, bestehen Zweifel an der Authentizität des Ergebnisses für die SWANU. Immerhin hat das Ergebnis der Kommunalwahlen 2004 eine viel breitere Streuung der Ergebnisse gebracht, weil es offensichtlich nicht wie der Ausgang der Novemberwahl der Nationalebene manipuliert war.
Die regierende SWAPO tritt gegen Parteien, die sich annähernd als eine politische Bedrohung entpuppen, scharf bis gewalttätig auf, derweil sie den kleinen Parteien wie NUDO und SWANU auffällig entgegenkommt, denn diese stellen keinerlei Gefahr für die Vormachtstellung der Südwestafrikanischen Volksorganisation dar. Aus der Machtperspektive der SWAPO liefern die kleinen Parteien eher den Beweis oder das Alibi, dass in Namibia eine Vielparteiendemokratie möglich sei.
Wenn die kleinen Parteien auch keine erreichbare politische Alternative bieten, so bleiben sie dennoch Willensträger und relevante Stimmen, sei ihre Zahl auch noch so klein.
Vor allem müssen sie helfen, dass die Namibische Wahlkommission wieder ein Staatsorgan des Vertrauens wird.