Namibias Jugend-, Sport- und Kulturminister Kazenambo Kazenambo wurde kürzlich von der Bundespolizei des Flughafens München festgehalten, weil der Computer seinen Diplomatenpass als Fälschung ausmachte. Daran trug Kazenambo keine Schuld, der Computer übrigens auch nicht. Der Zufall hat dem Minister übel mitgespielt, weil die Nummer seines Passes just mit der eines als gefälscht registrierten Diplomatenpasses aus Ghana übereinstimmte. Dumm gelaufen, könnte man sagen, doch aus der Befragung des Ministers ist ein Wortgefecht entstanden, das leider eskaliert ist.
Es ist unmöglich, den Sachverhalt aus der Ferne nachzuvollziehen. Doch wenn der Minister in einem Gespräch mit Medien selbst einräumt, dass er die Beherrschung verloren und die Polizisten als „Neonazis“ und „Befürworter von Adolf Hitler“ beschimpft habe, dann zeigt das, dass jede Geschichte zwei Seiten hat.
Polizisten und andere Beamte machen nur ihren Job, und zwar nach bestem Wissen und Gewissen. Dass sie Unregelmäßigkeiten prüfen müssen, gehört zu ihren Aufgaben – aus gutem Grund. Das muss ein Minister anerkennen, auch wenn er (vielleicht undiplomatisch?) mit einem Diplomatenpass auftritt. Denn er erwartet dieselbe Gründlichkeit von den Beamten in seinem eigenen Land – und ebenso, dass die Besucher seines Landes Contenance bewahren, sollte es mal Probleme geben.
Fassen wir uns an die eigene Nase: Wie oft sind wir geneigt auszurasten, wenn etwas nicht schnell oder gut genug geht oder unerwartete Schwierigkeiten auftreten? Mir sind solche Empfindungen nicht fremd. Und das ist auch ganz normal. Man kann hingegen lernen, sich zu beherrschen. Sich zu Achtung und Respekt zu ermahnen, ist dabei sehr förderlich. Vielleicht haben der Minister und/oder die Polizisten zu diesem Zeitpunkt gerade nicht daran gedacht.
Etwa drei Stunden hat Kazenambo in Polizeigewahrsam verbracht, bis das Missverständnis aufgeklärt wurde. Keine Sorge, diplomatischer Flurschaden ist nicht entstanden und auch die deutsch-namibischen Beziehungen werden darunter nicht leiden. Aber wir haben eine Lektion des menschlichen Miteinanders erlebt – und darum geht es am Ende, auch für Minister und Polizisten. Hoffentlich können alle Beteiligten irgendwann über diesen Vorfall lachen.