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Regen in Namibia

 

Vom 27.08.2010

Ohne Blick nach vorn

Die Einweihung der neuen Feuerwache in Swakopmund hat die SWAPO als Gelegenheit genutzt, umfangreich politische Propaganda zu verbreiten (AZ berichtete). Hier wurde nicht nur der Bogen reichlich überspannt, sondern auch das wahre Ziel weit verfehlt. Nicht nur, dass die Feuerwehrstation nun nach Philipus Namalemo und somit nach einem Menschen benannt ist, der gar nichts mit diesem öffentlichen Gebäude zu tun hat, die SWAPO hat den Anlass auch genutzt, um wieder die Vergangenheit heraufzubeschwören.

Egal ob Straßen, Schulen oder Gebäude – öffentliche Einrichtungen sollten politisch neutral bleiben. Wenn es denn ein Name sein muss, dann ehrt man eine herausragende, geachtete Persönlichkeit, die man z.B. mit dem Gebäude oder seiner Funktion in Verbindung bringen kann. Philipus Namalemo war kein Feuerwehrmann. Und wenn man die heutige junge Generation fragt, erhält man die Gegenfrage: „Wer ist das überhaupt?“

Doch die SWAPO kriegt wohl den Hals nie voll. Hier ist mal wieder so richtig durch eine parteipolitische Brille geblickt worden. Ein „SWAPO-Held“ musste her, egal welcher. Doch der rosa-rote Blick des Genossen Jerry Ekandjo verwandelte sich binnen Sekunden in ein schmutziges Grau.

Selbst nach 20 Jahren Unabhängigkeit scheint die SWAPO immer noch nicht begriffen zu haben oder nicht begreifen zu wollen, dass die junge Generation, ob dunkelhäutig oder weiß, „keinen Bock mehr“ auf diese alten Kamellen über die gestrigen „Heldentaten“ hat. Sie hat nämlich einen ganz anderen Kampf auszufechten, und zwar gegen Armut, Arbeitslosigkeit sowie das in den Keller gesunkene Bildungs- und auch Gesundheitswesen – und dabei bekommt sie herzlich wenig Rückhalt von der regierenden Partei.

Natürlich sollte man die Vergangenheit kennen, damit die Gegenwart verstanden werden kann, aber eine Geschichte so dermaßen einseitig zu verklären und der jungen Generation das Überlieferte derart zu glorifizieren, ist ermüdend. Der Blick nach vorn fehlt.

„Es ist der Gründungsmythos des Freiheitskampfes, der hier aufrecht erhalten werden muss“, versuchte ein Bekannter diesen lächerlich gestalteten Auftritt der Genossen schon fast zu entschuldigen. „Es ist die einzige Stärke, die sie haben.“ Was für ein Armutszeugnis!
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