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Regen in Namibia

 

Vom 22.06.2009

Macht Lärm!

Endlich! Die deutschsprachige Gemeinschaft in Namibia hat eine Stimme – und eine Meinung. Ganz ehrlich: Lange hatte ich daran Zweifel. Oft äußerte sich niemand öffentlich zu brennenden Themen des Alltags, zu Wirrungen in der Politik, zu Untaten in der Gesellschaft. Jetzt kam er, der lange erwartete und wohl genauso lange unterdrückte Aufschrei. Altpräsident Sam Nujoma hat ihn heraufbeschworen, und der zu dessen rassistischen Äußerungen in der AZ veröffentlichte Kommentar mündete in einer Flut von Anteilnahme und Unterstützung von Seiten der Leserschaft. Man selber hätte sich eine solche Kritik nicht getraut, habe ich oft gehört. Endlich habe jemand einmal die Meinung geäußert, die doch eigentlich alle teilen.
Der Zuspruch war toll. Nicht als Egostütze für mich als Autoren, sicher nicht. Sondern als Zeichen, dass Ihr noch lebt.
Liebe Namibier, traut Euch! Eure Hautfarbe und Eure deutschen Wurzeln verbieten Euch nicht, himmelschreiende Ungerechtigkeiten und inakzeptable Anfeindungen wie die von Nujoma stillschweigend hinzunehmen. Auch Ihr habt eine Stimme. Erhebt sie selber und begehrt auf, wenn solche Dinge passieren. Ihr seid kein weniger guter oder minderwertiger Teil dieser Nation, Ihr habt dieselben Rechte wie alle anderen, an dieselben Pflichten fühlt Ihr Euch doch ohnehin gebunden. Ganz offensichtlich vegetiert in unserer Gemeinschaft ein großes Maß an Frust, an Enttäuschung, an Empörung, vielleicht auch Trauer und Wut über den Weg, den unser Land eingeschlagen hat. Raus damit, nur so ist Veränderung möglich. Sie wird dauern. Viele werden nicht zuhören wollen. Aber jeder lange Weg beginnt mit einem ersten Schritt.
Ich wünsche mir gerade von der AZ-Leserschaft mehr Courage und mehr Engagement, soweit das im einzelnen Falle eben möglich ist. Bezieht Stellung, mischt Euch ein, verschafft Euch Gehör. Keinem, uns selbst nicht und diesem Land nicht, ist geholfen, wenn wir uns zurückhalten, gar in Apathie verfallen und uns in die eigene kleine Welt zurückziehen. Politik und gesellschaftliches Leben in Namibia gehen uns alle etwas an, wenn wir hier leben wollen – und nur wer mitmacht, sich einsetzt, seine Stimme abgibt oder anderweitig verlautbart, darf dann hinterher auch motzen, wenn’s nicht läuft.

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