Im südlichen Afrika geraten die seit Jahren über Simbabwe festgefahrenen Fronten langsam in Bewegung. Seit dem Rückzug von Oppositionschef Morgan Tsvangirai von der für heute geplanten Wahlfarce um das Präsidentenamt ringt der regionale Staatenbund SADC um eine koordinierte Antwort auf die tiefe Krise. Allerdings scheint niemand zu wissen wie es weitergehen soll. Bezeichnend dafür ist, dass der Krisengipfel zu Simbabwe am Mittwoch ohne Südafrikas Präsident Thabo Mbeki stattfand, den eigentlich für den Konflikt zuständigen Vermittler.
Der Rückzug der Opposition, durch den Simbabwe zumindest vorerst ein Abgleiten in einen Bürgerkrieg erspart geblieben ist, gibt der SADC und Thabo Mbeki eine letzte Chance zur Durchsetzung einer Verhandlungslösung. Genau dafür müssten Afrikas Führer dem störrischen Despoten in Simbabwe aber endlich ein für allemal klarmachen, dass die Staaten der Region seinen brutal erknüppelten Wahlsieg nicht akzeptieren - und Mugabe nach seiner Pseudo-Wahl nicht als neuen Präsidenten Simbabwes anerkennen werden.
Bislang deutet nur wenig darauf hin, dass ausgerechnet Thabo Mbeki, der Mugabe jahrelang standhaft unterstützt hat, nun plötzlich mit diesem Klartext redet. Gerade deshalb ist es ermutigend, dass Südafrikas Präsident gestern nicht zum Gipfel erschien. Denn Mbeki hat durch den ständigen Schutz Mugabes wie kein anderer die Machtbalance in Simbabwe zugunsten des Diktators verschoben - und ist dabei längst Teil des Problems geworden. Als glaubwürdiger Vermittler fällt er jedenfalls aus.
Dank Mbeki kontrolliert Mugabes ZANU (PF) noch immer die Sicherheitskräfte und die Medien. Sein Regime kontrolliert quasi alle staatlichen Ressourcen, einschließlich der (inzwischen jedoch fast völlig kollabierten) Wirtschaft. Während sich die Oppositionsanhänger auf der Flucht, im Gefängnis oder unter der Erde befinden, hält das Regime in Harare noch immer viele Trümpfe in der Hand. Je länger die SADC jetzt zaudert, desto schneller kann sich der schwer angeschlagene Mugabe neu formieren. Schon deshalb darf sich die SADC jetzt nicht wieder in müden Resolutionen der UNO erschöpfen, sondern muss den Diktator die Legitimität entziehen und ihn in Afrika völlig isolieren.