Namibier müssen wahrscheinlich noch sehr lange warten, bis ihre Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft auflaufen wird. Die hiesigen Fußballfans sind meist zwischen zwei Mannschaften, die sie mit Herz und Seele unterstützen, hin- und hergerissen.
Einmal muss man als Afrikaner eine afrikanische Mannschaft unterstützen und bei der jetzigen WM war es natürlich der Gastgeber. Leider blieb nach der ersten Runde die einzige afrikanische Hoffnung mit Ghana übrig. Am vergangenen Freitag gab es sehr viele Namibier, die in letzter Minute die Reise per Flugzeug nach Johannesburg antraten, um die Ghanaer zu unterstützen. In Kapstadt strömten die zahlreichen Namibier zusammen mit Südafrikanern und internationalen Fußballfans zum Fan-Park vor die Großleinwände. Es gab fast keinen, der nicht Ghana unterstützte. Die Stimmung war unglaublich, die Hoffnung auf einen Sieg der Afrikaner groß – doch am Ende herrschte riesige Enttäuschung. Wo kurz zuvor noch stundenlang eine fröhliche und begeisterte Stimmung geherrscht hatte, waren nach dem Schlusspfiff weder eine Vuvuzela noch Gesänge oder Freudenschreie der siegreichen Fans zu hören. Fast lautlos verließen die Fans den Ort.
Am nächsten Tag war eine vorsichtige Stimmung bei den Fans von Argentinien und Deutschland auszumachen, die sich schon früh in Richtung Stadion begeben hatten. Die deutschspracheigen Namibier standen voll hinter der deutschen Mannschaft, einige wenige Namibier hinter den Argentiniern. Viele Südafrikaner lösten das Problem, indem der eine Partner in den Farben der Deutschen, der andere in denen der Argentinier ins Greenpoint-Stadion kam. Siegessicherer als die deutschen Fans waren die Südamerikaner.
Nach 90 Minuten tobten die Namibier zusammen mit den deutschen Fans. Dem unglaublichen Sieg folgte ein Freudentaumel, derweil die ersten bitter enttäuschten Argentinier bereits vor den Toren des Stadions den Deutschen ihre Karten für das Halbfinale und Finale anboten. Die nach Kapstadt gereisten Namibier vergaßen ihre Enttäuschung vom Abend zuvor, als Ghana ausgeschieden war, und feierten die deutsche Nationalmannschaft.
Da lohnt es sich doch, Namibier zu sein und wenigstens eine Mannschaft, die man unterstützt, weiterkommen zu sehen. Leid und Freude eines namibischen Fußballfans liegen dicht beieinander.