Die Freude und die Erwartungen waren groß im Vorfeld des Besuches von Minister Dirk Niebel. Der Chef des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kam für drei Tage nach Namibia, was die Wertschätzung und Anerkennung für die Entwicklungszusammenarbeit in Afrika und speziell in diesem Land zeigt. Vor Ort gab es dann mehrfach klare (und wichtige) Worte.
Namibia sei „viel weiter“ als andere afrikanische Länder, konstatierte Niebel und musste dafür nicht lange über seine Reise nach Ruanda, Kongo und Mosambik vor wenigen Wochen nachdenken. Ein schönes Land mit großem Potenzial, befand er. Aber auch mit großen Problemen. „Es gibt noch viel zu tun“, sagte Niebel, der aus dem Stehgreif die Zahlen herunterbeten konnte, die verdeutlichen, wo Namibia der Schuh drückt: Arbeitslosigkeit und HIV-Infektionsrate. Und natürlich gehe die Schere zwischen Arm und Reich zu weit auseinander. Hier sei es gut, dass es die deutsche Entwicklungszusammenarbeit gebe, die im besten Fall „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten soll. Dass dies funktioniert, hat sich Niebel in Namibia angeschaut. Beim Projekt der Vergabe von Kleinstkrediten zum Beispiel. Hunderte Menschen – vor allem Frauen – haben mit kleinen, geliehenen Beträgen eine eigene Existenz aufgebaut oder inzwischen erweitert.
Doch auch fernab von staatlichen Eingriffen gibt es in Namibia Leuchttürme, die vor allem die ökonomische Situation aufhellen. Die Ohorongo-Zementfabrik gehört dazu, mit einem Budget von 2,5 Mrd. N$ die größte deutsche Direktinvestition seit der Unabhängigkeit – ganz klar, dass Minister Niebel Ehrengast bei deren Richtfest war. Er lobte dann auch eifrig: „Sie haben erkannt, was leider noch zu viele Unternehmen übersehen: Afrika ist ein Kontinent der Chancen für die deutsche Wirtschaft!“ Und er versprach: „In Zukunft wollen wir noch viel mehr solcher Modelle schaffen. Dafür setze ich mich persönlich ein.“
Klare Worte also. Die hörte Niebel zum Glück auch von seinen politischen Gesprächspartnern. Denn der deutsche Gast hat sich nicht davor gescheut, diese auf die Anfeindungen des Gewerkschaftsführers Evilastus Kaaronda anzusprechen, der ausländische Unternehmer am liebsten wieder nach Hause schicken möchte und dies just in der Woche des Minister-Besuches herausposaunte. Präsident Pohamba, Parlamentspräsident Gurirab und Premierminister Angula haben Niebel versichert, dass Fremdinvestitionen stets willkommen seien.
Von seinem Namibia-Trip zurückgekehrt, wird der FDP-Mann weiter daran arbeiten, sein Ministerium umzubauen. Er ist nicht der Typ, der Almosen verteilt, sondern sieht Entwicklungszusammenarbeit als „integralen Bestandteil der deutschen Außenpolitik“. Das Ziel sei, dass „mit möglichst hoher Effizienz zielgenau das Geld der deutschen Steuerzahler (…) eingesetzt werden kann“. Wieder klare Worte also. Nun sind wir auf die Taten gespannt.