Die heutige Titelseite

 

Newsletter


Regen in Namibia

 

Vom 29.04.2010

Keine Handouts

Die Debatte um das Grundeinkommen (BIG: Basic Income Grant) oder BGE (Bedingungsloses Grundeinkommen), wie es in Deutschland genannt wird, ist wieder entfacht. Den BIG-Befürwortern in Namibia hat Präsident Pohamba in der Fragestunde auf seine Rede zur Lage der Nation den Wind aus den Segeln genommen. Pohamba teilt die Meinung eines Großteils der Bevölkerung, dass die Gratis-Verteilung von Geld, die BIG-Vergabe, das Nichtstun fördere. Er bringt solche Verteilung mit Ausbeutung in Verbindung und sagt, dass wirkliche Arbeiter sich von BIG-Empfängern, die keine Arbeit verrichteten, ausgebeutet fühlen können.
Damit hat Pohamba bei seinem kurzen Auftritt im Parlament den Fürsprechern dieser Armenhilfe zunächst eine Absage erteilt. Zu den Fürsprechern zählen die Angehörigen der so genannten BIG-Koalition: die Gewerkschaften, HIV/Aids-Organisationen, der Namibische Kirchenrat (vor allem lutherische Kirchen) und nichtstaatliche Organisation sowie ihre Partner in der Vereinten Evangelischen Mission in Deutschland.
Die Verfechter haben sich alle Mühe gegeben, das Parlament für das Projekt zu gewinnen und haben dazu anfangs auch den Speaker aufgesucht. Sie haben auch den ehemaligen Premier und jetzigen Wirtschaftsminister Hage Geingob auf ihre Seite bringen können, der es als Vizepräsident der regierenden Partei jedoch nicht wagen wird, dem Präsidenten (des Staates und der SWAPO) zu widersprechen.
Das zweijährige BIG-Projekt auf Otjivero bei Omitara hat für viel Aufsehen und Diskussion gesorgt, aber die Begeisterung des Parlaments ist ausgeblieben. Am Ende sollte das Projekt der Regierung derart überzeugende Beweise liefern, dass es pauschal und landesweit eingeführt werden könnte. Von einem solchen Schritt hatten sich die Verfechter das Modellbeispiel erhofft, das auch in anderen Ländern zur Armutsbekämpfung Verbreitung finden sollte. Der Haupteinwand vieler Namibier gegen eine reguläre Vergabe von Geldern ohne Gegenleistung besteht in der Befürchtung, dass die Arbeitsscheu und der Konsum alkoholischer Getränke, der in vielen armen Gemeinschaften vorherrsche, noch vertieft werden könnte.
Mit der Absage des Präsidenten hat die Regierung der Armutsbekämpfung durch Handouts zunächst die Tür zugeschlagen.
Archiv


Wetter

EES GANZ PRIVAT