Gerne würden wir an dieser Stelle das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen in Simbabwe kommentieren, nur leider liegt dieses auch anderthalb Wochen nach dem Urnengang nicht vor. Es fällt schwer, der staatlichen Wahlkommission noch immer keine Verzögerungstaktik und dem ZANU(PF)-Lager von Robert Mugabe noch immer keine Fälschungsversuche vorzuwerfen. Dass der Despot verloren hat, wird mit jedem Tag, an dem das Ergebnis verheimlicht wird, offensichtlicher. Der Wechsel ist also faktisch da, nach 28 Jahren bekommt das Volk den heiß ersehnten Wandel – wenn Mugabe nicht noch zu einem letzten, blutigen Rundumschlag ausholt.
Angesichts des klaren MDC-Sieges mutet es allerdings umso erstaunlicher an, dass die bisherige Opposition sich jetzt auf eine so genannte Regierung der nationalen Einheit einlassen will, eine Art großer Koalition also, die auch die ZANU (PF) an den Kabinettstisch holen würde. Vor allem für die Bürger Simbabwes muss dies ein Schlag ins Gesicht sein. Sie wollten Mugabe loswerden, sie wollten Änderungen, einen neuen Kurs im Land und damit auch für das eigene Leben. Sie haben ihre Hoffnungen auf MDC-Chef Morgan Tsvangirai gesetzt – und jetzt besteht die Gefahr, dass dieser mit dem Mugabe-Lager paktiert, das sich gerade dem Vorwurf stellen muss, mit den brachialen Veteranen zusammenzuarbeiten, die weiße Farmer von ihren Gehöften vertreiben. Und Mugabe hat zu oft bewiesen, dass er sich an der Macht halten will und kann, koste es, was es wolle – und auch in einer „großen Koalition“ wird er Mittel und Wege finden, um seine Herrschaft fortzusetzen.
Eine nationale Einheits-Regierung ist ein idealistisches, aber in Simbabwe derzeit wohl irrealistisches Modell. Natürlich gibt es mittlerweile auch in der ZANU (PF) frisches Blut; junge Kräfte, die gerne ohne Mugabe weitermachen möchten. So lange der Despot aber Strippenzieher in der Partei bleibt, ist der Wandel im Land nicht möglich.
Die Simbabwer werden sich wohl angesichts solcher Pläne nun auch im eigenen Land erneut betrogen fühlen, nachdem schon die afrikanischen Nachbarstaaten die Bürger durch ihr Schweigen bislang kläglich im Stich gelassen haben. Das Volk hat Mugabe abgewählt. Ihm sollte – und schon gar nicht von der MDC – auf keinen Fall ein Hintertürchen zur Macht offen gehalten werden.