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Regen in Namibia

 

Vom 30.01.2012

Große Sprünge in Afrika

Afrika hat wieder Schlagzeilen gemacht. Positive und negative. Bei der jüngsten Bewertung zur Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) haben Länder dieses Kontinents für Aufsehen gesorgt – durch die Ereignisse des arabischen Frühlings, durch eine Top-10-Platzierung (Kap Verde), durch den größten Sprung in der Rangliste nach oben (Niger), durch den tiefsten Fall (Malawi) und durch das Schlusslicht des Rankings (Eritrea). Das Ranking ist genauso kontrovers wie der Kontinent selbst. Und irgendwo dazwischen ordnet sich Namibia ein, das sich vom 21. auf den 20. Platz verbessert hat – der zweitbeste Rang eines Afrika-Staates und mit großem Vorsprung auf unsere Nachbarn in der Region. Ein beachtliches Ergebnis, das eher als Ansporn zu verstehen ist und nicht zum Ausruhen verleiten sollte.

In Namibia hat sich die Aufhebung des Anzeigenboykotts der Regierung gegen die Tageszeitung „The Namibian“ im August 2011 positiv auf das bessere Abschneiden ausgewirkt. Dagegen müsste der inakzeptable verbale Totalausfall von Jugendminister Kazenambo Kazenambo im November einige Minuspunkte gebracht haben. Aber es ist ja auch so: Ein Land kann sich bei solchen Rankings verbessern, ohne selbst besser zu werden – und zwar dann, wenn die davor platzierten Staaten schlechter werden. Es ist jedenfalls interessant zu sehen, dass Namibia besser abschneidet als etliche Staaten der Ersten Welt, in denen die Ansprüche an die Pressefreiheit aber freilich höher und der Medienalltag viel komplexer sind als in unserem beschaulichen Wüstenland.

Wir dürfen durchaus froh sein und würdigen, dass die Pressefreiheit in der jungen Demokratie Namibia nicht nur in der Verfassung verankert, sondern auch im Alltag angekommen ist. Wir müssen aber berücksichtigen, dass nur einen kleiner Teil der Bevölkerung in den Genuss einer objektiven, ausgewogenen und kritischen Berichterstattung kommt, weil Analphabetentum, Armut, mangelnde Bildung und geografische Abgeschiedenheit eben den Konsum von Nachrichten in der Zeitung, im Radio, im Fernsehen und im Internet für nicht wenige Namibier unmöglich machen. Und wir müssen daran arbeiten, dass alle Menschen, die in Behörden, Organisationen und Unternehmen für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich sind, ihren Job dauerhaft richtig machen und sich als Partner der Medien verstehen. Inkompetenz, Nichtanwesenheit, Langsamkeit, Ignoranz und Ängstlichkeit in diesen Positionen hindern uns als Medienschaffende in diesem Land weitaus mehr als irgendwelche (politisch motivierten) Versuche – die es hier zum Glück nicht gibt – zur Unterbindung von kritischer Berichterstattung.

Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut, das leicht verspielt werden kann. Alle, die nun mit dem guten Ranking hausieren gehen, sollten auch daran mitarbeiten, dass die Situation in Namibia so bleibt. Dann können die Schlagzeilen aus Namibia und Afrika nur noch besser werden.
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