Das Reiterstandbild, nach seinem Notexil im vergangenen Jahr und seit Februar 2010 wieder im öffentlichen Blickpunt an der Alten Feste errichtet, ist seit Sonntag zeremoniell in die Gemeinschaft und ins Stadtbild re-integriert. Dabei dokumentiert es in seiner zeitgebundenen und dennoch „weit blickenden“ Art seines Reiters historische Herkunft und den notwendigen Kontrast zum aktuellen gigantomanischen Monumentalismus, der ebenfalls streng zeitgebunden ist und zur Aussage seiner Ära wird. Die Denkmäler sind Wahrzeichen ihrer Zeit und es verbindet sie der Werdegang, dass beide außerhalb des Landes für die Erinnerungslandschaft in Namibia konzipiert wurden.
Natürlich gibt es noch andere Kriterien der Bewertung. Darunter sind der Rahmen der Einweihung des Reiterstandbilds 1912 und die Wiedereinweihung 2010 nicht unwesentlich. Stand die Enthüllung zur Kaiserzeit im Zentrum des Geschehens, so wurde die Wiedereinweihung diesmal zum marginalen Ereignis, das noch durch Zerstrittenheit der deutschsprachigen Gemeinschaft gezeichnet ist. Obwohl unter den Deutschsprachigen Namibias – wie bezeichnenderweise unter vielen anderen Sprachgruppen – der Konsens überwiegt, dass das Reiterstandbild nach wie vor als Wahrzeichen, aus Gründen der Geschichte und wegen der gemeinsamen Zukunft ins Stadtbild gehört, dokumentieren der Streit um die Wiedereinweihung sowie der Umstand, wer dabei anwesend war und wer gefehlt hat sowie wer gar nicht erwartet werden konnte, ein Spektrum deutsch-namibischer Zerrissenheit.
Immerhin haben deutsche Traditionsverbände und der deutsche Botschafter am gleichen Tag mit alliierten Organisationen Kränze am Soldatengedenkkreuz in der Mugabe-Avenue niedergelegt, was zur Tradition geworden ist. Allerdings hat auch dieses Gedenken eine Schlagseite, an die sich die Beteiligten offensichtlich schon lange gewöhnt zu haben.
Das Gedenkkreuz führt alliierte Gefallene des 2. Weltkriegs aus dem ehemaligen Südwestafrika namentlich auf. Ihre aus Namibia stammenden deutschsprachigen Gegner, die ebenfalls in Europa oder Nordafrika gefallen sind, fehlen dagegen. Allerdings hat man noch die namibischen Gefechtsstellen aus den Rückzugsgefechten des 1. Weltkriegs aufgeführt.
So kommt es, dass ein Teil der deutschsprachigen Gemeinschaft und die deutsche Vertretung bei der Totenehrung am deutschen Reiter fehlen, derweil sie aber am alliierten Gedenkkreuz Kränze niederlegen, wo nur alliierte Gefallene namentlich aufgeführt sind. Bemühungen, das Reiterstandbild durch einen Zusatzstein zu einer inklusiven Gedenkstätte für alle Kriegsopfer zu erweitern, wurden wiederum von einem deutschsprachigen Lager, das sich nunmehr um den Erhalt des Reiters eingesetzt hat, und von der namibischen Regierung abgelehnt.
So bleibt es nicht verwunderlich, dass die Totengedenken der Deutschsprachigen, ob am Reiterstandbild oder am Gedenkkreuz in der Schizophrenie stecken bleiben.