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Regen in Namibia

 

Vom  3.03.2010

Fünf nach zwölf

Eine aktuelle Studie gibt Aufschluss über den Arbeitsmarkt in diesem Land. Die Ergebnisse verheißen nichts Gutes: So soll die Arbeitslosigkeit unter der erwerbsfähigen Bevölkerung (Namibier über 15 Jahre) bei 51,2 Prozent liegen. Bislang wurde stets von 36 Prozent gesprochen. Der Handlungsdruck auf die Regierung steigt somit dramatisch.

Laut Arbeitsminister Immanuel Ngatjizeko entspreche die Methodik der Studie „international akzeptierten Normen und Festlegungen”. Freilich kann man sich darüber streiten, ob es realistisch ist, die Einstufung eines Menschen als arbeitslos oder beschäftigt davon abhängig zu machen, ob dieser in den vergangenen sieben Tagen mindestens eine Stunde gearbeitet und dafür ein Entgeld bekommen hat (so lautet die entscheidende Frage). Allerdings: Der gesunde Menschenverstand sowie die Beobachtung der ökonomischen Entwicklungen in diesem Land lassen die Zahl 51,2 Prozent durchaus realistisch erscheinen. Dazu braucht man sich nur einige Fakten ins Gedächtnis rufen, die Jeder von uns nachvollziehen kann: Es hat sich in diesem Land kein Industriezweig angesiedelt, der massenhaft (direkte und indirekte) Arbeitsplätze schafft. Außerdem ist die Bevölkerung rasant gewachsen, d.h. mehr Arbeitssuchende bei der gleichen oder nur leicht gestiegenen Anzahl von Jobs. Überdies sinkt das Bildungsniveau der Schulabgänger von Jahr zu Jahr, was deren Chancen auf einen Job verkleinert. Zudem kommen ausländische Firmen, meist aus Asien, mit eigenem Personal und bekommen Großaufträge, vor allem von der Regierung. Und nicht zuletzt verhindert womöglich ein restriktives und zu sehr arbeitnehmerfreundliches Arbeitsgesetz die Einstellung von neuen Mitarbeitern.

Vor wenigen Monaten erst hatte Tom Alweendo, Gouverneur der namibischen Zentralbank, in einer Erklärung zu Wirtschaftswachstum und Arbeitsplatzschaffung ganz ungeschminkt auf die prekäre Situation in Namibia hingewiesen. Laut der Entwicklungsstrategie „Vision 2030“ soll die Arbeitslosigkeit dann unter fünf Prozent liegen, rief er in Erinnerung. Die Realität aber sieht nach Ansicht des Ökonomen anders aus: So werde die Arbeitslosenquote noch „viel höher“ sein, prognostizierte Alweendo.

Egal ob 36 oder 51,2 Prozent – angesichts solcher Zahlen ist es für Namibia „fünf nach zwölf“. Diese Situation sorgt für großes soziales Konfliktpotenzial, deren Auswirkungen wir zum Beispiel mit der Bettelei der Veteranenkinder sowie der steigenden Kriminalität schon in den vergangenen Jahren erlebt haben und erleben. Jetzt ist die Regierung dringender denn je gefragt, Konzepte zu entwickeln und umzusetzen – dazu sollte sie auf die Wirtschaft hören, die genau weiß, wo der Schuh drückt. Mit Sozialduselei und den Versuchen, historische Benachteiligung durch nicht marktgerechte Regulierungen auszugleichen, werden wir das Arbeitslosenproblem nicht bewältigen. Das haben die letzten 20 Jahre deutlich gezeigt.
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