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Regen in Namibia

 

Vom  3.04.2009

Entschädigung hinkt

Die Demonstrationen, Proteste über Jahre hinweg, Sit-Ins bis vor dem Tintenpalast und das Rütteln am Tor des alten Staatshauses haben sich für die SWAPO-Altkämpfer des Unabhängigkeitskrieges gelohnt. Die regierende SWAPO-Elite, die an der Staatskrippe sitzt, hat eingesehen, dass ihre Privilegien nur dann einigermaßen Bestand haben können, wenn sie für die Mehrzahl Altkämpfer der ehemaligen Befreiungsbewegung eine leidliche Existenzhilfe bietet. Auch musste die regierende Partei damit rechnen, dass unzufriedene Altkämpfer die gefürchtete neue Opposition militant stärken könnten. Das wäre zum wahren Alptraum der ohnehin schon verängstigten politischen Amtsträger geworden.
Jetzt hat der Minister des Ressorts für Kriegsveteranen, Dr. Ngarikutuke Tjiriange, die Kernpunkte des recht großzügigen Hilfsprogramms im Parlament bekannt gegeben, allerdings mit der Maßgabe, dass das volle Programm von der Verfügbarkeit der Mittel abhänge.
Dass Präsident Pohamba für die Versorgung von mehreren tausend Altkämpfern ein vollständiges Ministerium mit üblichem Hofstaat, Beamtenhierarchie und Strukturen geschaffen hat, derweil ein schlichtes Direktorium in einem der Sozialressorts gereicht hätte, zeugt allein schon von den verzerrten Prioritäten der jetzigen Regierung.
Noch schlimmer zeigt sich sie sich in ihrer heuchlerisch-einseitigen Auslegung der nationalen Aussöhnung. Der materielle Unterhalt samt gratis Dienstleistung in staatlichen Krankenhäusern und Kliniken, gratis Beförderung im öffentlichen Nah- und Fernverkehr, Hilfestellung bei Neusiedlung, um die wichtigsten Leistungen zu nennen, dürften zwar zur sozialen Stabilisierung unter den gärenden Kräften beitragen. Angesichts der „teilenden und versöhnlichen Geste“ die die Ex-Kämpfer der SWAPO jedoch direkt nach der Unabhängigkeit von ihren ehemaligen Gegnern erfahren haben, die unter südafrikanischem Befehl standen und ihre damalige einmalige Abfindung aus südafrikanischen Quellen tatsächlich zur Hälfte mit den SWAPO-Kämpfern geteilt haben, ist es jetzt eine reine Schande, dass die regierende Partei die Altkämpfer der SWA- Territorialmacht und der damaligen Guerilla-Abwehr (Koevoet) von der Existenzbeihilfe für Veteranen ausschließt. Auch wenn die Altkämpfer der südafrikanischen Seite, die übrigens dafür gesorgt haben, dass die erste souveräne (SWAPO)Regierung ein Territorium mit völlig intakter Infrastruktur – ein gemachtes Nest – übernehmen konnte, die kleine südafrikanische Abfindung nicht mit ihren Gegnern geteilt hätten, bestünde für die Pohamba-Nujoma-Regierung stets eine Sozialverpflichtung sich versöhnend um alle Kriegsteilnehmer zu kümmern. Eine solche Versöhnungspolitik bleibt jedoch in der egoistisch verblendeten Ausrichtung der SWAPO-Genossen ausgeschlossen. Eine wahre Chance der Aussöhnung hat die regierende Partei hier vertan. Umdenken ist bei der derzeitigen Führungsclique nicht zu erwarten.

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