Heute endlich wird ein Treffen von Vertretern des Innen- und des Tourismusministeriums mit Repräsentanten von Tourismusverbänden stattfinden. Auf der Tagesordnung steht die Gewährung der Aufenthaltsdauer für Touristen durch Grenzbeamte sowie die Probleme, die es damit gab und gibt. Bei der Suche nach einer Lösung sind Bedacht und Eile geboten, wenn Schaden von Namibia abgewendet werden soll.
Wir haben uns in der Berichterstattung bewusst für den Begriff „Willkür“ entschieden, um die Situation zu beschreiben. Laut der freien Enzyklopädie Wikipedia steht dieses Wort für „eine unvertretbare Rechtsanwendung“ oder für „beliebiges Handeln der Staatsorgane“. Und genau das geschieht hier. Obwohl die Aufenthaltsdauer (gesetzlich) bis zu 90 Tage betragen kann, bekommen manche Touristen nicht selten deutlich weniger Tage gewährt – und manchmal läuft die Frist gar vor dem Datum des Rückfluges ab. Das ist zwar rechtlich nicht anfechtbar, weil es sich bei den 90 Tagen um eine Kann-Bestimmung handelt. In jedem Fall aber entbehrt diese Praxis jeglicher Logik und Vernunft, überdies sind keine Richtlinien für derartige Entscheidungen bekannt. Der Tourist ist letztlich also der Willkür des Beamten am Einreiseschalter ausgesetzt und damit in einer prekären Situation. Daran ändern auch ein entsprechender (Warn-)Hinweis auf der Webseite des Auswärtigen Amtes und die Verwendung von schnödem Amtsdeutsch nichts, in dem dies als „Ermessensspielraum“ definiert wird.
Fakt ist, dass diese Vergabepraxis unvertretbar, weil nicht nachvollziehbar ist. Damit nicht genug: Sie ist auch abschreckend, was etliche Leserbriefe von Touristen sowie Meinungen aus der hiesigen Reisebranche beweisen. Die Reaktionen reichen von Aufregung über Wut bis Resignation. Zu Recht. Wer will sich schon gern einer Willkür aussetzen? Noch dazu im Urlaub und von staatlicher Stelle? Namibia – nein, danke!, lautet dann die Antwort.
Ausländische Touristen können ihr Geld überall auf der Welt ausgeben – das haben offenbar noch nicht alle Staatsdiener verinnerlicht. Zumal wir in einem Land leben, das auf den Tourismus als Einnahmequelle dringend angewiesen ist. Man darf hoffen, dass dies bei dem heutigen Treffen deutlich und eine Lösung gefunden wird.