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Regen in Namibia

 

Vom 14.06.2010

Ein WM-Auftakt nach Maß

Mit einer stimmungsvollen Eröffnungsfeier und einem 1:1 im Auftaktspiel gegen Mexiko hat die Fußball-WM 2010 für Gastgeber Südafrika hoffnungsvoll begonnen. In Erinnerung bleiben wird von dem denkwürdigen Tag aber vor allem das Führungstor: Nach fast einer Stunde schnappte sich Siphiwe Tshabalala den Ball, trieb ihn an die Strafraumgrenze und jagte ihn aus vollem Lauf in das mexikanische Tor. Welch eine Erlösung – nach all den Jahren, in denen eine ganze Nation auf diesen Moment hingelebt hatte.

Zu recht gönnten sich die Spieler und mit ihnen die ganze Nation im Anschluss daran ein Tänzchen an der Seitenlinie. Denn vieles andere klappte auch an diesem Tag im ziemlich frischen Johannesburg – und das machte stolz. Selbst die permanent diskutierte Sicherheit scheint zumindest für die nächsten Wochen garantiert.

Aber es gab auch Sand im Getriebe: So tänzelten die fast 1600 Artisten zunächst vor ziemlich vielen leeren Sitzschalen herum, weil draußen wieder einmal Verkehrschaos herrschte. Vor allem die Weißen nutzen partout keine Busse und Bahnen. Die neuen Züge und Busse fuhren jedenfalls größtenteils leer.

Die leeren Sitze beim Spiel gingen hingegen, wie so vieles andere zuvor, auf das Konto der FIFA. Niemand hat im Vorfeld der WM mehr enttäuscht als der allmächtige Fußballverband: Erst beharrte die FIFA viel zu lange auf einem für Südafrika völlig unpassenden Ticketsystem. Dann versäumte es die FIFA-Tochter Match, die Vermarktungstrommel für das Land am Kap zu rühren – und gab Tausende zuvor blockierter Räume und Flugtickets im letzten Moment an Hotels und Airlines zurück. Vor allem aber überschattete die Abwesenheit von Nelson Mandela den großen Tag. Der Vater der Nation, der mehr als jeder andere dazu beitrug, dass diese WM ans Kap kam, trauerte um eine kurz zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommene Urenkelin.

Bei allen offenen Fragen darf eines bereits zu Beginn als sicher gelten: Es wird neben einer der buntesten auch die mit Abstand lauteste WM aller Zeiten! Verantwortlich dafür ist eine kleine Plastiktröte, die am Kap Kultstatus genießt. Mehrfach haben sich ausländische Spieler, Trainer, Zuschauer und Soundtechniker erregt, weil die Tröte die Atmosphäre im Stadion, im Fanpark und vor der Glotze ruiniert. Die permanente, einförmige Geräuschkulisse hat schon jetzt Viele veranlasst, den Ton ihres Fernsehers einfach abzudrehen, weil das unentwegte Tröten das Nervenkostüm doch mächtig strapaziert.

Es ist zu hoffen, dass der nervtötende Dauerlärm dem Image Südafrikas in den nächsten vier Wochen keinen bleibenden Schaden zufügt. Vermutlich ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis die Tröte zum Politikum wird. Es wäre auf jeden Fall schade, wenn den Milliarden von Fernsehzuschauern aus aller Welt am Ende nicht der Rhythmus und die Energie Afrikas, sondern eine laute, hässliche Plastiktröte in Erinnerung bliebe.

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