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Regen in Namibia

 

Vom 28.04.2008

Die Realität schöngeredet

Nach der Vertreibung des chinesischen Waffenschiffs An Yue Jiang durch eine Blockade afrikanischer Staaten dachten wir schon fast, die Stimmung in der Region habe sich geändert. Dass alte Freundschaften aber nicht rosten und man lieber den Mund nicht zu weit aufreißt, hat die Feier zum Unabhängigkeitstag Südafrikas am Freitag wieder gezeigt.

Brav gleichgeschaltet belobhudelten unser Außenminister Marco Hausiku und Südafrikas Hochkommissarin Eunice Komane das Nichtstun von Thabo Mbeki, feiern dessen stille Diplomatie als den richtigen Weg in der Simbabwe-Frage. Kein Wort zu den Wahlverzögerungen und dem neuerlichen Gewaltausbruch in Simbabwe, stattdessen die Feststellung, Mbeki habe ja damit viel erreicht und der Konflikt könne nicht durch öffentliche Stellungnahmen gelöst werden, womit eindeutig westliche Staaten, aber auch die EU, die UN, Menschenrechtsgruppen und vereinzelte mutige Afrikaner gemeint waren.

Es ist eine Schande, wie bei uns und im Nachbarland offensichtlich die Augen vor der Wahrheit verschlossen werden, wie Realitäten schöngeredet werden, bis sie ins eigene Bild passen. Die Lösung in Simbabwe liege in den Händen der Bürger, so Komane. Eine Schlussfolgerung, welche die simbabwischen Wirklichkeit verzerrt, denn dem Volk sind die Hände gebunden, dessen Wille wird nicht gehört oder brachial niedergeknüppelt.

Robert Mugabe hat nicht viel zu befürchten. Seine alten Weggefährten stehen treu und ergeben zu ihm, Namibia und Südafrika – zumindest den offiziellen Teil, sprich die Regierungen – hat er auf seiner Seite. Und irgendwie verwundert dann die Nachricht von Freitagabend so gar nicht: Angola, das mit Eduardo dos Santos einen ebenfalls treuen Gefährten aus den guten alten Befreiungskampfzeiten an der Spitze hat, gab doch tatsächlich dem chinesischen Waffenschiff die offizielle Erlaubnis, im Hafen von Luanda anzudocken – und das, nachdem sich alle Staaten so stolz gerühmt hatten, den rostigen Frachter mit 77 Tonnen Kriegsmunition für Simbabwe an Bord boykottiert zu haben. Angeblich darf er nur im Hafen einlaufen, nicht aber die brisante Ladung löschen. Aber ganz ehrlich: Wundern würde uns angesichts der offensichtlichen geistigen Umnachtung der Freunde Mugabes momentan gar nichts mehr.
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