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Regen in Namibia

 

Vom  4.11.2008

BIG und die Feindbilder

Das Grundeinkommen-Projekt (BIG) wurde gestern heiß diskutiert. Nach der Kritik des Wirtschaftsforschungsinstituts NEPRU holte die BIG-Koalition während einer öffentlichen Debatte zum Gegenschlag aus – und hat dabei leider den Halt und die Richtung verloren.

Nach dem Motto „Kritik? Nein danke!“ sind Kirchenvertreter offenbar in blinder Kränkung und Wut auf ein Niveau hinabgestiegen, das an Auswüchse ideologischer Kriegsführung und Verblendung erinnert – wie es bei politischer Polemik heute teils noch zu erleben ist. Andersdenkende und Kritiker werden per Etikett zum Feindbild abgestempelt, das es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt. Dabei ist man sich nicht zu schade, auch an den Haaren herbeigezogene Behauptungen in die Welt zu blasen.

Das Feindbild im aktuellen Fall heißt NEPRU und hat gestern den puren Zorn der BIG-Koalition zu spüren bekommen. Kostprobe aus der Erklärung gefällig? Bitteschön: NEPRU „verbündet sich mit den persönlichen Interessen von einigen weißen, kommerziellen Farmern in dieser Gegend, deren aktuelles Ziel es ist, die Siedlung Otjivero ausradiert zu haben. Vor diesem Schluss scheinen sie daran interessiert zu sein, das Leiden der Menschen dort zu verlängern.“ Weiter geht´s: NEPRUs Standpunkt sei „unethisch und außergewöhnlich basierend auf Begünstigung der Reichen und Mächtigen, während auf den Armen getrampelt wird“. Es kommt noch besser: „NEPRU verbündet sich mit einigen konservativen, weißen Farmern, gewissen Elementen der deutschen Botschaft und den verrufenen neo-liberalen Bretton-Woods-Institutionen (als Beispiel wird die Organisation IMF aufgeführt, die Red.) in dem berechnenden Bestreben, diese Initiative zu diskreditieren.“

Wohl gemerkt, hinter der BIG-Koalition (und damit auch hinter dieser Erklärung) stehen solch anerkannte Personen und Organisationen wie Bischof Zephania Kameeta, ELCRN, LaRRI, Namibischer Kirchenrat, NANGOF und NANASO. Sie haben sich mit den aktuellen Aussagen selbst disqualifiziert. Wer andere Meinungen nicht zulässt, ruft Skeptiker auf den Plan. Gezweifelt wird dann an der Kritikfähigkeit der BIG-Befürworter – und damit letztlich auch an deren Objektivität bei diesem Projekt insgesamt.

BIG gilt weltweit als Pilotprojekt – und deshalb ist der Dialog umso wichtiger. Kritik darf, kann und muss möglich sein. Entscheidend ist, dass man miteinander und nicht übereinander redet. Das Verschließen der Augen vor anderen Meinungen und haarsträubende Behauptungen auf Kirchenseite helfen genauso wenig wie Mutmaßungen und das Bedienen von Klischees auf Seiten der Farmer. Alle Beteiligten müssen an einen und ihre Meinungen auf den Tisch. Schließlich geht es darum, das beste Ergebnis zu erzielen.

Der gestrige Rundumschlag der BIG-Koalition ist ein Affront und ging nach hinten los. Sie wird sich jetzt noch mehr anstrengen müssen, die Öffentlichkeit von Notwendigkeit und Erfolgen dieses Projekts zu überzeugen.
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