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Vom  5.11.2008

BIG: Streiten um die beste Lösung

Nach der Diskussion am Montag in Windhoek schlägt die Debatte um die Auszahlung des Grundeinkommens (Basic Income Grant, BIG) in Otjivero/Omitara weiter hohe Wellen. Das wundert auch nicht, denn das Spannungsfeld zwischen Solidarität, Armutsreduzierung, effektiver Hilfe, Eigenverantwortung und harter (ökonomischer) Realität ist stets emotionsbehaftet. Doch neben dem Projekt selbst ist nun ein anderer Aspekt in den Vordergrund gerückt, nämlich die Fähigkeit zur (selbst-)kritischen Diskussion.

Am Montag hatte die BIG-Koalition auf Kritik des Wirtschaftsforschungsinstituts NEPRU derart aggressiv reagiert, dass dies einen Schatten auf die Integrität der Personen und Organisationen dieses Interessenverbundes wirft. Der Jargon der BIG-Koalition-Erklärung war eindeutig: Streitkultur? Fehlanzeige! Andersdenkende und Kritiker wurden zu Feinden abgestempelt, dazu haarsträubende Behauptungen aufgestellt. Viele Mitglieder der Koalition sind als Kirchenrepräsentanten zwar Vertreter Gottes, haben deshalb aber noch lange nicht Wahrheit, Recht und Weisheit für sich gepachtet.

Die Ergebnisse der ersten BIG-Studie, veröffentlicht Anfang Oktober, klangen positiv und hoffnungsvoll. Deshalb ist die Euphorie auf Seiten der BIG-Koalition nur zu verständlich. Aber: Es ist ein Pilotprojekt, von dessen Ausgang auch abhängig sein wird, ob die BIG-Zahlung landesweit eingeführt wird. Angesichts einer solchen Tragweite brauchen wir die beste Lösung. Dazu ist der Dialog entscheidend – am besten sehr kontrovers, da so viele Interessenträger wie möglich berücksichtigt werden müssen. Sozialduselei und Schubladendenken helfen da nicht weiter.

Man kann den Erfolg natürlich schönreden und zurechtschweigen, wie es Pastor Dirk Haarmann versucht, indem er die Herausgabe von Zahlen verweigert. Die 281 Schüler, die am Unterricht teilnehmen und für die größtenteils die Schulgebühren bezahlt sind, sind ein toller Erfolg. Um diesen aber ins Verhältnis zu setzen und weiteren Handlungsbedarf zu identifizieren, wäre es hilfreich zu wissen, wie viele schulpflichtige Kinder es insgesamt in dem Ort gibt. Doch diese Zahl bleibt das Geheimnis von Pastor Haarmann. Warum? Vielleicht, weil das Bild dann viel differenzierter aussehen würde. Da stellt sich die Frage: Was verschweigt er noch?

Um es ganz deutlich zu sagen: Niemand erwartet, dass binnen weniger Monate die Situation in Otjivero/Omitara komplett umgekrempelt wird. Jede kleine positive Veränderung ist zu begrüßen und ein Mosaikstein für das Gelingen von BIG. Und es will auch niemand das Projekt diskreditieren oder zerstören, wie es die BIG-Koalition in ihren Verschwörungstheorien mutmaßt. Dass sich die Koalition in ihrer jüngsten Erklärung zu solch einem verbalen Tiefschlag versteigt, dem Institut NEPRU, einigen Farmern und Anderen den Boykott des Projekts vorwirft, ist völlig unnötig – und zudem weder christlich, noch der Sache dienlich.
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